Du spürst das Gras…
…hier und da bewegt sich was, es macht dir Spaß, nein es ist nicht nur das…

Ja wo laufen sie denn oder: Béla Réthys angeblicher sechster Sinn
Freitag, 27. Juni 2008, 13:11 Uhr
Abgelegt unter: aufreger, em, fußball, polemik, popkultur, tv

Während der TV-Übertragung des EM-Halbfinalspiels Deutschland-Türkei fehlten für mehrere Minuten Bild und Ton. Das ist schade, und je nachdem, wie sehr man mitgefiebert hat, kann einen das auch so manche Nerven gekostet haben.
Aber ist es nun ein “typisch deutsches” Phänomen oder ein Phänomen dieses Informationszeitalterjahrzehnts, dass ein Bildausfall bei einer Fernseh-Liveübertragung so ein dermaßenes mediales Rauschen auslösen kann?

Es ist von Regressforderungen an die Stromfirma die Rede, Béla Réthy muss immer wieder auf die “Wie war das für Sie?”-Frage antworten, einige fordern gar, dass das Spiel hätte unterbrochen werden müssen (und geben der Bürokratie die Schuld, dass das nicht passiert ist) und es entsteht der Eindruck, wir alle(!) hätten allein durch die fehlende Übertragung persönlichen Schaden genommen.

Eine TV-Übertragung kommt durch die Verwendung von Technik zustande. Technik kann Fehler auslösen. Technik kann durch Naturgewalten beeinträchtigt sein. Shit happens. Dass es ein Notfallprogramm geben sollte, ist klar, aber weshalb so ein Aufstand gemacht wird, weil mal sechs Minuten einer Live-TV-Übertragung nicht klappen, werde ich nie begreifen. Wie satt und arrogant muss man eigentlich geworden sein, dass man an die Unfehlbarkeit von Technik glaubt? Und das auch noch bei Blitzeinschlag?

Und zur Verteidigung Béla Réthys: Er hat nicht Jupp Derwall auf der Tribüne gesehen! Ganz egal, wie häufig dies in den Medien kolportiert wird, es wird dadurch nicht “wahrer”.

Ab Minute 2:05 sagt er wörtlich: “Hans-Peter Briegel [jetzt im Bild zu sehen] sehen wir hier auf der Tribüne, einer von 19 deutschen Trainern, die in der Türkei gearbeitet haben, war eher eine kurze Station, und Kalli Feldkamp [jetzt im Bild zu sehen], er, einer der populärsten natürlich, neben seiner Frau Helma [bezieht sich darauf, dass die beiden nebeneinandersitzen], neben Jupp Derwall und Christoph Daum, große Tradition, Michael Skibbe wird der 20. sein, der geht ja nach der EM zu Galatasaray.”

Wörtliche Rede aufgeschrieben sieht immer etwas holperig aus, aber allerspätestens im Zusammenhang mit den Bildern wird klar, dass er keineswegs einen auf “Ich sehe tote Menschen” gemacht hat, sondern sich auf die Reihe deutscher Trainer in der Türkei bezogen hat.



Bombenstimmung
Mittwoch, 25. Juni 2008, 14:57 Uhr
Abgelegt unter: aufreger, hirnwindung, politik

Dieses Jahrzehnt ist ein seltsames Jahrzehnt. Gut, das könnte jetzt der Einleitungssatz für eine Unmenge von Themen sein, deshalb werde ich mal präziser:

Noch vor zehn Jahren wäre Folgendes passiert: Irgendwo am Potsdamer Platz, am Bremer Hauptbahnhof oder der Düsseldorfer Einkaufspassage steht ein Koffer oder eine Tasche herum. Lange Zeit wäre sie ignoriert worden, und irgendwann wäre jemand, der grad etwas Zeit übrig hat, vorbeigekommen, hätte die Tasche genommen, sich einmal umgeguckt und sie am nächsten Informationsstand abgegeben: “Das hat hier wohl einer vergessen.”

In diesem Jahrzehnt ist die Hysterie so tief in “normales” Verhalten eingebettet, dass ein herrenloser Koffer grundsätzlich einen Polizeieinsatz mit Sprengkommando/Wasserwerfer nach sich zieht. Natürlich kann man in diesem Fall sagen, dass bei dem Menschenaufkommen eines Public Viewing erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht geboten ist. Und ja, es gab in diesem Jahrzehnt Anschläge, die einen skeptisch werden lassen konnten. Aber gab es in den vergangenen Jahrzehnten keine Anschläge?

Denn auch an anderen Stellen wird mittlerweile als erstes von einer Bedrohung ausgegangen, das geht so weit, dass unter Umständen das Abstellen eines Koffers den Tatbestand des Vortäuschens einer Straftat erfüllen kann.

Das hat mich schon vor einigen Jahren davon überzeugt, dass der Frontalangriff auf die Demokratie und das öffentliche Leben ganz anders geführt werden wird als sich Wolfgang Schäuble und andere Paranoiker das vorstellen: Giftgas, Waffen, Selbstmordkommandos in Passagierflugzeugen, Zügen oder U-Bahnen…. weit gefehlt.

Stattdessen werden sich sämtliche Terroristen irgendwann zusammenraufen und alle gemeinsam…. Koffer kaufen gehen.
Mit diesen werden sie ohne nennenswerten Inhalt legal in verschiedene europäische Staaten einreisen, um sie zeitgleich an mehreren tausend öffentlichen Plätzen in ganz Europa stehenzulassen. Vielleicht sogar mehrmals hintereinander. Der flächendeckende andauernde Bombenalarm wird die europäische Polizei so dermaßen in Atem halten, dass sie für alles andere keine Zeit/Personal mehr hat. Damit werden nicht nur Banküberfälle ein Kinderspiel, sondern mit den übermäßigen Absperrungen kommt zudem das öffentliche Leben zum Erliegen und die Wirtschaft wird beeinträchtigt (Lieferanten kommen wegen der Absperrungen nicht mehr weiter, Reisende kommen nicht ans Ziel, Tourismus bleibt aus, Unzufriedenheit des Volkes über die ständige Einschränkung im öffentlichen Leben etc.).

Damit könnten Die Terroristen[tm] wesentlich mehr erreichen als eine Bombe in einem Bahnhof oder auf einem Flughafen, und das alles ohne Sprengstoff, ja sogar ohne tatsächliche Bedrohung von Menschenleben, lediglich durch Ausnutzen der allgegenwärtigen Paranoia.