Er ist (mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit) Präsidentschaftskandidat. Auch wenn Barack Obama in den hiesigen (und offenbar auch in den amerikanischen) Medien deutlich präs(id)enter zu sein scheint, sollte einen dieser Eindruck nicht darüber hinwegtäuschen, dass er erstens nicht Präsident der USA ist und zweitens erst einmal noch gegen einen gewissen John McCain gewinnen muss, bevor er Selbiges werden kann.
Nun will Obama also in Berlin sprechen, und egal, wo er auftreten soll, rührt sich Widerstand, weil jeder optische Hintergrund seines Rednerpults einen viel zu geschichtlichen hat. Nachdem Angela Merkel das Brandenburger Tor als Ort der Veranstaltung abgelehnt hatte, wurde nun die Siegessäule auserkoren, das Dekor für seine Rede am 24. Juli zu stellen.
Dies wiederum wird von anderen deutschen Politikern kritisiert, da die Siegessäule an die Siege Preußens gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) erinnert und somit für die damalige Ansicht der deutschen Überlegenheit steht. Unvermeidlich für eine Diskussion um deutsche Geschichte wird natürlich auch wieder Adolf Hitler erwähnt, der die Säule von ihrem ursprünglichen Platz vor dem Reichstag auf ihren heutigen Platz versetzen ließ. Natürlich wird ihm die Symbolik der Siegessäule gefallen haben, aber macht die Tatsache, dass Nazis ein Denkmal für sich missbraucht haben, es damit automatisch tabu?
Besonders, wenn man hinzunimmt, dass die Siegessäule in den letzten 20 Jahren jährlich von hunderttausenden Ravern, Public Viewing-Massen und TeilnehmerInnen des Christopher Street Day umströmt wurde, was ein mehr als deutliches Zeichen gegen ihre urspüngliche und hässliche Bedeutung ist?
Die grundsätzliche Überlegung, ob ein Ort für eine bestimmte Person oder Rede angemessen ist, mag ja verständlich und gerechtfertigt sein. Nur stellt sich die Frage, ob es irgendeinen Fleck in Berlin gibt, den man nicht vor dem Hintergrund der Geschichte betrachten (und somit ablehnen) kann. Auf welchen Platz, vor welches Gebäude kann sich überhaupt jemand hinstellen, ohne dass der Ort nicht in irgendeiner ekelhaften Weise von jemandem instrumentalisiert wurde?
Es ist anzunehmen, dass Obamas Rede viel heiße Luft enthalten wird. Aber aus seinen bisherigen geäußerten Positionen ist ebenso zu schließen, dass diese Luft wenigstens angenehmer, versöhnlicher und intelligenter “duften” wird als jene der Reden des amtierenden US-Präsidenten. Wenn also schon jeder Ort Berlins irgendwie von der deutschen Geschichte “verseucht” ist und Obama in Berlin eine Rede halten will, dann soll er sie doch vor der Siegessäule halten dürfen.
Schließlich sind solche Anlässe weitere gute Gelegenheiten, um dem “belasteten” Ort ein positives Zeichen entgegenzusetzen. Der Kontrast zu dem, was diesen Ort dann historisch umweht, kann diesem positiven Zeichen nur dienlich sein.
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