~~ USAerklärt weist darauf hin, dass die Interviews deutscher Politiker nachträglich autorisiert werden, während so etwas in der englischsprachigen Welt als ein Eingriff in die Arbeit des Journalisten angesehen wird:
Die verschiedene Vorgehensweise führt zu einem Unterschied in der Zahl der saudummen Bemerkungen von Politikern, die die Bevölkerung erreichen. Während amerikanische, australische, britische und kanadische Politiker scheinbar ständig their foot in their mouth haben, sind ihre deutschen Kollegen durch ein Netz und einen doppelten Boden vor den größten Fettnäpfchen geschützt. Entsprechend wirken sie – zumindest im Durchschnitt – rhetorisch geschickter.
~~ 11Freunde über ein doch recht bemerkenswertes Spiel meiner Lieblingsmannschaft am vergangenen Wochenende:
93. [Minute:] Schlusspfiff. Die Stürmer beider Mannschaften verabreden sich zum Après Ski, die Verteidiger gründen eine Selbsthilfegruppe. Ralf Rangnick eilt in die Kabine, um seinen ersten Roman zu verfassen: »Begrabt mein Herz an der Biegung der Weser«.
Thomas Schaaf, dessen linke Gesichthälfte seltsamerweise wesentlich faltiger ist als sein rechte, wird gefragt, ob er in Partystimmung geraten sei. Nach zehn Sekunden Bedenkzeit sagt er: »Nö.«
Aus Spaß am Spiel war das natürlich der Wahnsinn; als Fan der Heimmannschaft, die sich oben in der Tabelle positionieren will und nach 6 Spieltagen pro Spiel 2 Gegentreffer gekriegt hat, wird mir aber doch langsam mulmig.
~~ Manuel Andrack vermutet ein baldiges Ende von Schmidt & Pocher. Was ich sehr begrüßen würde, denn fortgeführte Leichenfledderei an einer ohnehin unterirdischen Sendung ist einfach geschmacklos.
Nachdem ich mich neulich ja bereits darüber ausgelassen hatte, wie diskussionsunwürdig es sei, Sarah Palin außenpolitische Erfahrung zugute zu halten, da sie gleich neben Russland wohne, hat Stefan Niggemeier jetzt sogar einen Interview-Schnipsel (mit Katie Couric von CBS News) gefunden, in dem Madame selbst in souverän-selbstdemontierender Art dieses Argument anführt.
Doch vorsicht, das sind sehr lange 87 Sekunden.
In Stefans Eintrag findet sich außerdem ein Link zu einem Text der konservativen Kolumnistin Kathleen Parker, in dem diese es schafft, mit einem einzelnen Satz so knapp wie es nur möglich ist, die Gefühle zu beschreiben, die einen überkommen können, wenn man Sarah Palin länger zuhört:
“My cringe reflex is exhausted.”
[EDIT: Es gibt auch die Möglichkeit, sich das ganze Interview anzuschauen, aber das ist dann wirklich hardcore.]
Die Sache mit Christoph Daum scheint ja nun vom Tisch zu sein, aber durch einen aktuellen Artikel auf 11freunde.de (der übrigens auch beim Tagesspiegel mit leicht geänderter Überschrift zu lesen ist) und einen ähnlich gelagerten Artikel bei zoomer.de fielen mir wieder ein paar Dinge auf:
Wenn es nicht genau das widerspiegeln würde, worum es geht, wäre die Vehemenz überaus amüsant, mit der einige Kommentatoren unter letzterem Artikel garantieren(!) können, dass der eine oder andere bestimmte Bundesligaspieler nicht schwul ist. Schon allein, dass irgendwer “verteidigt” werden muss, dass es das ja vielleicht gibt, aber der nun bestimmt nicht, belegt, dass die von einigen gewünschte und selbst formulierte Normalität (“Ist doch egal, ob einer schwul ist oder nicht”) eben noch nicht gegeben ist.
Gern genommen ist auch die Aussage “Solange er auf dem Platz seinen Job gut macht, ist das doch ganz egal.” Das klingt tolerant, aber heißt das, dass es nicht mehr egal ist, falls der Typ schlecht spielt? Ich frag ja nur.
Unweigerlich wird zur Beschreibung der Homohobie wieder einmal die Phrase verwendet, dass Fußball “die letzte Bastion der Männlichkeit” sei. Diese Phrase wird (wie z.B. in diesem Artikel) häufig und gern von Leuten verwendet, die Homophobie verurteilen. Wenn es aber schon nicht die dumpfen Phobiker sind, die so reden, muss sich aber doch irgendwann jemand bei der Wortwahl mal am Kopf kratzen:
Denn wenn die “letzte Bastion von Männlichkeit” also durch den “Angriff” der Homosexualität “bedroht” wird, ist durch Verwendung dieser Phrase eine Männlichkeit durch Heterosexualität definiert. Homosexuelle wären demnach unmännlich…
Bei zoomer.de umgeht Autor Peer Göbel das Problem ganz simpel dadurch, dass er davon schreibt, dass Fußball “die letzte Bastion der reinen Heterosexualität zu sein [scheine]“. Ein Wörtchen geändert, und schon verliert die Aussage ihren schalen Beigeschmack.
Und zum Schluss: Schwulsein ist wie…. wie… hm, welchen Vergleich könnte man da bringen…:
“Das ist keine Krankheit, das ist einfach eine Vorliebe, so wie manch einer eben ein Eis mit Nüssen haben will, ein anderer nicht.”
Wenn dieses Bonmot in den Kommentaren zum zoomer-Artikel absichtlich so gewählt wurde, Chapeau, aber auch sonst fühle ich mich gut amüsiert.
Wann genau kam die Bild-Zeitung in der Mitte der Gesellschaft an? Noch vor, sagen wir mal, 15 Jahren hätte die Redaktion der Tagesschau (Verzeihung für den drastischen Vergleich, ich finde ihn aber nötig) eher Fremd-Kotze gelöffelt, als eine ihrer Meldungen mit den Worten zu begründen: “Nach Informationen der Bild-Zeitung…” Mittlerweile ist aber genau dies Standard.
Nicht erst seit der verdienstvollen Arbeit des BILDblogs ist offensichtlich, dass die Bild-Zeitung meinungsmachend, volksverhetzend, manipulierend, rechtsverdrehend , Persönlichkeitsrechte missachtend, vorverurteilend und Unwahrheit verkündend ist. Weshalb darf sie ungeschoren oder viel zu mild bestraft Geschichten verbreiten, die sich irgendwo zwischen geschmacklos und entfernt von der Wahrheit bewegen? Und weshalb wird sie dann trotzdem als Quelle für Informationen genannt?
Alle Menschen in meinem Bekanntenkreis sagen, die Bild-Zeitung sei blöd. Aktiv kauft sie keiner, aber manche finden, “wenn sie mal irgendwo rumliegt, ist das schon recht lustig zu lesen.” Und da fängt es schon an, wie Judith Holofernes verdammt treffend feststellte: Man kann die Bild-Zeitung nicht ironisch lesen, weil man sie damit trotzdem adelt.
Um einfach einmal klarzumachen, auf welchem Niveau sich regelmäßig der angeblich in einem Bild-Artikel zum Ausdruck gebrachte “Volkszorn” befindet, braucht man nur einmal auf einen erläuternden Artikel bei BILDblog.de zu schauen:
Bild fand es “unfassbar”, dass der (ihm rechtlich zustehende) Verteidiger des Angeblich-Holzklotz-auf-Autobahn-Werfers auf Freispruch plädieren will. Dass es dafür sachliche Gründe geben könnte, oder dass er zumindest schlicht das Recht dazu hat, ignoriert das Blatt. Denn dass die Richter dem Freispruch noch lange nicht zustimmen müssen, ist wieder einmal so eine dermaßen offensichtliche Tatsache, dass die Beschäftigung mit ihr mir zu albern erscheint.
Und um der Empörung des Artikels etwas Angemessenes entgegenzusetzen, kommen die Autoren deshalb nicht drumherum, Sätze zu verfassen, die wie aus einem Schulbuch-Eintrag “Politik” der 6. Klasse klingen:
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein so genannter Rechtsstaat. Das bedeutet unter anderem, dass nicht Polizei oder Staatsanwaltschaft über Schuld und Unschuld eines Verdächtigen entscheiden (und schon gar nicht eine Boulevardzeitung), sondern ein Gericht. Und es bedeutet, dass jemand, der einer Straftat angeklagt ist, sich verteidigen darf. Kurzum: Egal, was jemand getan haben mag, er genießt so genannte Rechte.
Um Verwirrung vorzubeugen: Diese Antwort finde ich absolut richtig und angemessen, aber ist es nicht erschreckend, dass man einem Zeitungsartikel auf diesem grundlegenden, simplen Niveau antworten muss, um ihn zu entkräften?
Auch stellt Das Blatt[tm] gerne einmal die jedem Bürger zustehenden Rechte als “Trick” hin.
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus all dem, was an Dem Blatt[tm] und ähnlichen Publikationen bedenkens- und verachtenswert ist. Der Anlass für diesen Eintrag war die Tatsache, dass Frank-Walter Steinmeier es heute nicht geschafft hat, auch nur ansatzweise mal auf die Kacke zu hauen und kundzutun, was an Kai Diekmanns Publikation alles kritikwürdig ist.
Bild gutfinden, geht gar nicht. Bild geht nicht. Niemals. Auch nicht “nur mal so nebenbei”, nicht ironisch, und auch nicht, wenn man das alles ja nicht ernstnimmt. Bild steht für das, was falschläuft.
Dementsprechend hat Das Blatt[tm] samt aller Beteiligten seinen ewigen festen Platz in meiner Top-5-Liste derjenigen, die als erste an die Wand gestellt werden, wenn die Revolution kommt. Aber statt meinem Drang nachzugeben und mit Kraftausdrücken um mich zu werfen, halte ich mich zurück und lasse lieber Max Goldt für mich sprechen, der sich bei diesem Thema noch etwas mehr zusammenreißen konnte:
“Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.”
Am 20. August 1998 startete Tom Tykwers Film Lola rennt in den deutschen Kinos.
Am 14. September 1998, also heute vor exakt zehn Jahren, ging meine private Fanpage über Tom Tykwer online. Auch wenn sie veraltet ist und Tom seit einigen Jahren seine eigene hat – sie ist immer noch online.
So ein Jahrestag bringt einen wirklich zum Nachdenken angesichts all der Aspekte, Erlebnisse und Erinnerungen, die mit dieser Website und dem nun abgelaufenen Jahrzehnt verknüpft sind. Mal schauen, wie ich das alles geordnet kriege und ob es in einen Blog-Eintrag passt.
Da ist zunächst der technische Aspekt des Internets:
Die erste Adresse war eine Geocities-Adresse(!), da 1998 eigener Webspace unerreichbar oder unbezahlbar war (und eine Uni-Adresse mochte ich dafür einfach nicht). Das Layout, so gruselig, wie die meisten privaten Webseiten zu der Zeit aussahen, war nichts für schwache Nerven. Ich glaube, nur <blink> hab ich mir tatsächlich von Anfang an verkniffen.
Es waren nicht einmal 7 Millionen Menschen in Deutschland online, und die “surften” (eher: schlichen) auch noch mit Modem im Netz herum, was dazu führte, dass schon das Hochladen eines Bildes, das mehr als 100 KB groß war (und das beim Surfen auf die Website ja runtergeladen werden musste, um angezeigt zu werden), von einem schlechten Gewissen begleitet war. So musste auch jeder Link zu einer riesigen 6 MB-Film-Datei mit einem Warnhinweis auf deren Größe versehen werden.
Das Internet war noch geradezu übersichtlich. Die Internet-Suche fand bei altavista.com(!) statt, und es lohnte sich tatsächlich, alle paar Tage mal nachzuschauen, ob die Stichworte “Tom Tykwer” ein paar neue Seiten ausspuckten. Auf die konnte man dann aufgeregt auf der eigenen Homepage verlinken, da neue Seiten oder Artikel zu der Zeit noch nicht in einem unüberschaubaren Maß hinzukamen. Natürlich muss man dazu sagen, dass Tom zu der Zeit außerhalb Deutschlands auch noch nicht bekannt war, der internationale Release von Lola rennt war noch ein dreiviertel Jahr entfernt.
Dann die Internetkultur:
Zwischen Websites wurden Links getauscht, man war Mitglied in verschiedenen Webrings, um gemeinsam in der stetig wachsenden Menge an Internetseiten zumindest die eigenen Interessengebiete präsentabel zu halten.
Der Zulauf zum Usenet mit seiner Unmenge an Newsgroups hatte seinen Höhepunkt noch nicht mal erreicht, und da sie ja textbasiert waren und deshalb vergleichsweise wenig Bandbreite benötigten, waren sie der ideale Tummelplatz, um mit Leuten über alles zu diskutieren.
Überhaupt: die Tatsache, dass man über E-Mails, Webseiten, Mailinglisten und Newsgroups mit Menschen aus aller Welt(!) in Kontakt treten konnte, war das, was einen wirklich umgehauen hat. Ich erinnere mich noch, als ich die jeweils erste E-Mail-Anfrage wegen meiner Website über Tom aus den USA und Japan bekam, das war ein unglaubliches Gefühl. Die (nachvollziehbare) Selbstverständlichkeit von heute lässt mich manchmal die Euphorie von damals etwas vermissen.
Es ist seltsam, festzustellen, dass es im Jahre 2008 bereits Menschen gibt, die sich ganz selbstverständlich im Internet bewegen und so etwas wie Webrings, Mailinglisten und Newsgroups gar nicht mehr kennen. Was aber natürlich nachvollziehbar ist, da diese Werkzeuge quasi aus der Not der Bandbreite geboren wurden und heutzutage in Foren und Blogs, die man DSL besucht, schlicht unnötig geworden sind. Aber es sind Werkzeuge, die mich in meinen ersten Internetjahren immer begleitet haben.
Tom Tykwers Filme:
Im Winter 1997 sah ich zum ersten Mal Winterschläfer, ohne je den Namen Tom Tykwer gehört zu haben, nur Heino Ferch, der mitspielte, sagte mir etwas. Der Film war seltsam, und lotete die Grenze zur Glaubwürdigkeit aus, weil alles, was passierte, so unwahrscheinlich (aber eben nicht unmöglich) war. Aber vor allem sah ich nach der Beziehungskomödienwelle mit ihrer sachlichen, zweckdienlichen, aber nicht beeindruckenden Kameraarbeit endlich einen deutschen Film, der sich um Kinobilder bemühte. Der mit Bildern und Musik eine traumartige und traumhafte Atmosphäre schuf. Der sich Zeit ließ und in dem ein Unfall wie in Zeitlupe abzulaufen scheint, obwohl gar nicht nur Zeitlupe verwendet wird. Und ein Film, in dem die Protagonisten zunächst einmal “ungewöhnlich” handeln, und man im Laufe des Films immer mehr entdeckt, weshalb sie so handeln. Ein Prinzip, das Tom später in Der Krieger und die Kaiserin beeindruckend auf die Spitze trieb.
Über Lola rennt und die dazugehörenden Erinnerungen schreibe ich noch einen eigenen Eintrag.
Im August 2000 bekam ich per Mail einen Hinweis, dass in Hamburg eine Pressvorführung von Der Krieger und die Kaiserin lange vor dem Starttermin stattfinden sollte. Klar konnte ich mir das nicht entgehen lassen und setzte mich in Bremen in den Zug, um gegen 10 Uhr morgens (die Vorteile des Studentenlebens) ohne weitere Nachfrage nach Hamburg in ein mir unbekanntes Kino zu fahren. Dummerweise war zeitgleich eine andere Pressevorführung anberaumt worden, weshalb die Zahl der Leute im Foyer unangenehm übersichtlich war. Als ich am Tresen vorsichtig nachfragte, ob das hier richtig wäre für die Aufführung des neuen Tykwer-Films, wurde ich an die Frau verwiesen, die direkt neben mir saß, es war Maria Köpf, Produzentin von X-Filme. Es war einerseits schon witzig, ihr die Hand geben zu können, andererseits kam ich mir für einen Augenblick wie der aufdringliche unangenehme Fan vor, der sich zuviel rausnimmt und den Beteiligten damit auf den Geist geht. Aber als ich dann erklärte, weshalb ich von der Vorführung wusste, durfte ich bleiben, mir ein Presseheft schnappen und Toms neuen Film auf der großen Breitwand-Leinwand genießen.
Soviel fürs Erste. Das ist noch lange nicht alles, aber jetzt geht mir grad die Puste aus.
Als LoIa rennt rauskam, gab es außer einer minimalistischen “Website zum Film” und einigen Filmkritiken quasi nichts über Tom im Netz zu lesen. Und so wurde, für mich überraschend, meine Website damals tatsächlich die erste, die sich speziell mit dem Werk Tom Tykwers beschäftigte.
Zehn Jahre im Netz kommen mir vor wie 20 Jahre im echten Leben. Und es ist unfassbar, was sich seitdem alles geändert hat. Unser Umgang mit Informationen, die Verfügbarkeit von (zuviel) Informationen, und natürlich die Selbstverständlichkeit dieser Verfügbarkeit. Mal sehen, wie sich die kommenden zehn Jahre in zehn Jahren anfühlen.
Dienstag, 9. September 2008, 22:00 Uhr
Abgelegt unter: meta
Es kommen mehr oder weniger regelmäßig neue Einträge in diesem Blog hinzu, nur das optische Verschönern des Auftritts wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, da meine WordPress-Kenntnisse noch sehr gering sind. Ich bitte um Nachsicht und hoffe darauf, dass die inhaltliche Neugier etwas überwiegt.
[Edit: Immerhin steht jetzt, 12.9.08, 02:15 Uhr, schon das neue Theme sichtbar in den Startlöchern.]
“Es war einmal ein weißes Blatt Papier, das sagte:
‘Ich möchte immer so rein, so unbefleckt und weiß bleiben, wie ich jetzt bin.’
‘Oh’, sagte die Tinte und wunderte sich, respektierte den Wunsch des Blattes aber.
Und so blieb das Blatt Papier unbeschrieben und vergilbte.”
Heute hat die wilde, den Spagat zwischen Rumpoltern und stilvoller Poesie hinkriegende, leidenschaftliche und grundsympathische, kurz: die einzig wahre Diva Georgette Dee Geburtstag. Manchmal weiß ich gar nicht, ob mir ihre vorgetragenen Songs oder die herrlich(en) endlosen Geschichten zwischen den Songs besser gefallen.
Von mir einen herzlichen Glückwunsch und danke für schon so manchen Sekt-seligen Abend voller Hingabe, Witz und Leidenschaft!
“Über mich wurde mal gesagt, ich sei die bestbezahlte Trinkerin Deutschlands. Das glaub ich nicht. Ich denke es gibt welche die kriegen mehr und trinken mehr.”
Es gibt Themen, die kompliziert sind. Themen, bei denen die Fakten und Einflüsse so vielfälitg und gegensätzlich sind, dass man den Überblick verliert und nur schwer zu einer überzeugenden eigenen Aussage kommen kann.
Und dann gibt es Aussagen, deren offensichtliche Unwahrheit so dermaßen die eigene Intelligenz beleidigen, dass man sich lächerlich vorkommt, sich überhaupt mit ihnen zu befassen.
Es fing an mit einem kurzen Ausschnitt aus einer Fox-Diskussionsrunde, in der Steve Doocy feststellte, dass Sarah Palin außenpolitische Erfahrung habe, da sie in Alaska ja Tür an Tür mit Russland wohne. Und es war klar, dass Jon Stewarts The Daily Show sich ausgiebig und berechtigt darüber lustigmachen würde. Jon stellte u.a. fest, dass Palin in Alaska ja nahe des Nordpols wohne und deshalb auch mit dem Weihnachtsmann befreundet sein müsse.
Ich ging zunächst davon aus, dass es sich um eine verkürzte Darstellung handelte und diese Begründung (Palin sei direkt “neben” Russland zuhaus = sie wisse, was dort abgeht) vielleicht als sarkastische Bemerkung gedacht gewesen sei. Aber dann sagte in einem BBC-World-Bericht eine der Zuschauerinnen des Repulbikaner-Parteitages genau dasselbe. Dann führte Cindy McCain in einem ruhigen längeren Interview genau dieses Argument an. Und schließlich sagt es sogar John McCain selbst in einem ABC-Interview. Und so bekamen nicht nur die Analysten von MSNBC langsam Schwierigkeiten, sich die Logik dahinter zu erklären.
Und genau hier stzt der eingangs erwähnte Mechanismus ein: es ist mir zu blöd, dieses erbärmliche, lächerliche, peinliche und schlicht bekloppte Argument zu widerlegen.
Aber noch fassungsloser als über dieses Argument selbst bin ich darüber, dass es eben nicht ein einmaliger Ausrutscher in einer hitzigen Live-Diskussion ist, sondern dass es sich bei in der Öffentlichkeit stehenden Repulikanern als bewusst vorgetragenes Argument für Sarah Palin etabliert zu haben scheint. Das ist das noch viel Groteskere an dieser Aussage.
Sonntag, 7. September 2008, 20:02 Uhr
Abgelegt unter: meta
Frisch von Blogger zur eigenen Domain umgezogen (alle bis heute bereits vorhanden Einträge und Kommentare wurden ursprünglich auf duspuerstdasgras.blogspot.com getätigt), sieht das hier alles noch nicht so schick aus, zumal ich auch noch ein WordPress-Neuling bin. Aber kommt dann auch noch.