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Am 20. August 1998 startete Tom Tykwers Film Lola rennt in den deutschen Kinos.
Am 14. September 1998, also heute vor exakt zehn Jahren, ging meine private Fanpage über Tom Tykwer online. Auch wenn sie veraltet ist und Tom seit einigen Jahren seine eigene hat – sie ist immer noch online.
So ein Jahrestag bringt einen wirklich zum Nachdenken angesichts all der Aspekte, Erlebnisse und Erinnerungen, die mit dieser Website und dem nun abgelaufenen Jahrzehnt verknüpft sind. Mal schauen, wie ich das alles geordnet kriege und ob es in einen Blog-Eintrag passt.
Da ist zunächst der technische Aspekt des Internets:
- Die erste Adresse war eine Geocities-Adresse(!), da 1998 eigener Webspace unerreichbar oder unbezahlbar war (und eine Uni-Adresse mochte ich dafür einfach nicht). Das Layout, so gruselig, wie die meisten privaten Webseiten zu der Zeit aussahen, war nichts für schwache Nerven. Ich glaube, nur <blink> hab ich mir tatsächlich von Anfang an verkniffen.
- Es waren nicht einmal 7 Millionen Menschen in Deutschland online, und die “surften” (eher: schlichen) auch noch mit Modem im Netz herum, was dazu führte, dass schon das Hochladen eines Bildes, das mehr als 100 KB groß war (und das beim Surfen auf die Website ja runtergeladen werden musste, um angezeigt zu werden), von einem schlechten Gewissen begleitet war. So musste auch jeder Link zu einer riesigen 6 MB-Film-Datei mit einem Warnhinweis auf deren Größe versehen werden.
- Das Internet war noch geradezu übersichtlich. Die Internet-Suche fand bei altavista.com(!) statt, und es lohnte sich tatsächlich, alle paar Tage mal nachzuschauen, ob die Stichworte “Tom Tykwer” ein paar neue Seiten ausspuckten. Auf die konnte man dann aufgeregt auf der eigenen Homepage verlinken, da neue Seiten oder Artikel zu der Zeit noch nicht in einem unüberschaubaren Maß hinzukamen. Natürlich muss man dazu sagen, dass Tom zu der Zeit außerhalb Deutschlands auch noch nicht bekannt war, der internationale Release von Lola rennt war noch ein dreiviertel Jahr entfernt.
Dann die Internetkultur:
- Zwischen Websites wurden Links getauscht, man war Mitglied in verschiedenen Webrings, um gemeinsam in der stetig wachsenden Menge an Internetseiten zumindest die eigenen Interessengebiete präsentabel zu halten.
- Der Zulauf zum Usenet mit seiner Unmenge an Newsgroups hatte seinen Höhepunkt noch nicht mal erreicht, und da sie ja textbasiert waren und deshalb vergleichsweise wenig Bandbreite benötigten, waren sie der ideale Tummelplatz, um mit Leuten über alles zu diskutieren.
- Überhaupt: die Tatsache, dass man über E-Mails, Webseiten, Mailinglisten und Newsgroups mit Menschen aus aller Welt(!) in Kontakt treten konnte, war das, was einen wirklich umgehauen hat. Ich erinnere mich noch, als ich die jeweils erste E-Mail-Anfrage wegen meiner Website über Tom aus den USA und Japan bekam, das war ein unglaubliches Gefühl. Die (nachvollziehbare) Selbstverständlichkeit von heute lässt mich manchmal die Euphorie von damals etwas vermissen.
- Es ist seltsam, festzustellen, dass es im Jahre 2008 bereits Menschen gibt, die sich ganz selbstverständlich im Internet bewegen und so etwas wie Webrings, Mailinglisten und Newsgroups gar nicht mehr kennen. Was aber natürlich nachvollziehbar ist, da diese Werkzeuge quasi aus der Not der Bandbreite geboren wurden und heutzutage in Foren und Blogs, die man DSL besucht, schlicht unnötig geworden sind. Aber es sind Werkzeuge, die mich in meinen ersten Internetjahren immer begleitet haben.
Tom Tykwers Filme:
- Im Winter 1997 sah ich zum ersten Mal Winterschläfer, ohne je den Namen Tom Tykwer gehört zu haben, nur Heino Ferch, der mitspielte, sagte mir etwas. Der Film war seltsam, und lotete die Grenze zur Glaubwürdigkeit aus, weil alles, was passierte, so unwahrscheinlich (aber eben nicht unmöglich) war. Aber vor allem sah ich nach der Beziehungskomödienwelle mit ihrer sachlichen, zweckdienlichen, aber nicht beeindruckenden Kameraarbeit endlich einen deutschen Film, der sich um Kinobilder bemühte. Der mit Bildern und Musik eine traumartige und traumhafte Atmosphäre schuf. Der sich Zeit ließ und in dem ein Unfall wie in Zeitlupe abzulaufen scheint, obwohl gar nicht nur Zeitlupe verwendet wird. Und ein Film, in dem die Protagonisten zunächst einmal “ungewöhnlich” handeln, und man im Laufe des Films immer mehr entdeckt, weshalb sie so handeln. Ein Prinzip, das Tom später in Der Krieger und die Kaiserin beeindruckend auf die Spitze trieb.
- Über Lola rennt und die dazugehörenden Erinnerungen schreibe ich noch einen eigenen Eintrag.
- Im August 2000 bekam ich per Mail einen Hinweis, dass in Hamburg eine Pressvorführung von Der Krieger und die Kaiserin lange vor dem Starttermin stattfinden sollte. Klar konnte ich mir das nicht entgehen lassen und setzte mich in Bremen in den Zug, um gegen 10 Uhr morgens (die Vorteile des Studentenlebens) ohne weitere Nachfrage nach Hamburg in ein mir unbekanntes Kino zu fahren. Dummerweise war zeitgleich eine andere Pressevorführung anberaumt worden, weshalb die Zahl der Leute im Foyer unangenehm übersichtlich war. Als ich am Tresen vorsichtig nachfragte, ob das hier richtig wäre für die Aufführung des neuen Tykwer-Films, wurde ich an die Frau verwiesen, die direkt neben mir saß, es war Maria Köpf, Produzentin von X-Filme. Es war einerseits schon witzig, ihr die Hand geben zu können, andererseits kam ich mir für einen Augenblick wie der aufdringliche unangenehme Fan vor, der sich zuviel rausnimmt und den Beteiligten damit auf den Geist geht. Aber als ich dann erklärte, weshalb ich von der Vorführung wusste, durfte ich bleiben, mir ein Presseheft schnappen und Toms neuen Film auf der großen Breitwand-Leinwand genießen.
Soviel fürs Erste. Das ist noch lange nicht alles, aber jetzt geht mir grad die Puste aus.
Als LoIa rennt rauskam, gab es außer einer minimalistischen “Website zum Film” und einigen Filmkritiken quasi nichts über Tom im Netz zu lesen. Und so wurde, für mich überraschend, meine Website damals tatsächlich die erste, die sich speziell mit dem Werk Tom Tykwers beschäftigte.
Zehn Jahre im Netz kommen mir vor wie 20 Jahre im echten Leben. Und es ist unfassbar, was sich seitdem alles geändert hat. Unser Umgang mit Informationen, die Verfügbarkeit von (zuviel) Informationen, und natürlich die Selbstverständlichkeit dieser Verfügbarkeit. Mal sehen, wie sich die kommenden zehn Jahre in zehn Jahren anfühlen.
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Ich weiß genau, was du meinst: 1996 war ich ausschließlich am PC in der Uni, denn dort gab es einen(!) PC-Raum mit Internetanschluss, ab März 1997 hatte ich dann ein 28.8KB-Modem zuhause, und was war das für ein irres Gefühl, am PC in der eigenen kleinen Bude zu sitzen und mit den Leuten in aller Welt kommunizieren zu können! Dass das GING!
Ganz zu Anfang hab ich auch gelegentlich in einer Community geschrieben namens metropolis.de, das war im Prinzip mit so einem Perl-Script “WWWboard” ausgestattet, wo man sich auf Chat-Niveau über Filme, Bücher oder Musik unterhielt.
Die Domain beherbergt heutzutage so eine von ungezählten Flirt-Plattformen mit Anmeldepflicht….
Ich glaube, ich sollte meinem Blog die Kategorie “Internet-Nostalgie” gönnen, worüber man da noch alles schreiben könnte…
Und das Geräusch des Modem, und die PREISE! O.Tel.O oder wie das heisst, damals pro Minute 8 Pfennig. Telefonrechnung: 180 DM oder so.
Und wo Du mich an diese “Webrings” erinnerst, gibt’s die überhaupt noch so in der Art? Und ja, definitiv solltest Du Deinem Blog die Internet-Nostalgie Kategorie gönnen – DAFÜR!
Kategorie ist eingefügt.
Also, es gibt noch Seiten, auf denen Webring-Verzeichnisse zu finden sind, aber diese typische Grafik mit “eine Website zurück”/Name des Rings/eine Website voraus/zufällige Website” hab ich schon ewig nicht mehr gesehen.
Kommentar von Jan am 26.09.2008 um 19:59Einen Kommentar hinterlassen

Ein schöner Eintrag! Ich war 1999 das erste Mal überhaupt im Internet, keinen Plan von nix. Das ist mit dem heutigen Netz überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Ich vermisse das “alte” Internet auch manchmal, das war, in der Tat, überschaubar. Hört sich pervers an, war aber so. Überschaubr im Sinne von “nicht überfüllt”, so wie heute. Es gab damals ‘ne Community, die hatte 300 Mitglieder, ich war eines davon. Heute sind da über 90.000(!) Menschen registriert. Schon seltsam manchmal. Nostalgie…hach…und zum tollen blink: im Chat damals warste damit der Held, weiß ich noch genau. “Wie geht das? Wie machste das?” *grins*
Kommentar von janni am 22.09.2008 um 00:15