Die Sache mit Christoph Daum scheint ja nun vom Tisch zu sein, aber durch einen aktuellen Artikel auf 11freunde.de (der übrigens auch beim Tagesspiegel mit leicht geänderter Überschrift zu lesen ist) und einen ähnlich gelagerten Artikel bei zoomer.de fielen mir wieder ein paar Dinge auf:
- Wenn es nicht genau das widerspiegeln würde, worum es geht, wäre die Vehemenz überaus amüsant, mit der einige Kommentatoren unter letzterem Artikel garantieren(!) können, dass der eine oder andere bestimmte Bundesligaspieler nicht schwul ist. Schon allein, dass irgendwer “verteidigt” werden muss, dass es das ja vielleicht gibt, aber der nun bestimmt nicht, belegt, dass die von einigen gewünschte und selbst formulierte Normalität (“Ist doch egal, ob einer schwul ist oder nicht”) eben noch nicht gegeben ist.
- Gern genommen ist auch die Aussage “Solange er auf dem Platz seinen Job gut macht, ist das doch ganz egal.” Das klingt tolerant, aber heißt das, dass es nicht mehr egal ist, falls der Typ schlecht spielt? Ich frag ja nur.
- Unweigerlich wird zur Beschreibung der Homohobie wieder einmal die Phrase verwendet, dass Fußball “die letzte Bastion der Männlichkeit” sei. Diese Phrase wird (wie z.B. in diesem Artikel) häufig und gern von Leuten verwendet, die Homophobie verurteilen. Wenn es aber schon nicht die dumpfen Phobiker sind, die so reden, muss sich aber doch irgendwann jemand bei der Wortwahl mal am Kopf kratzen:
Denn wenn die “letzte Bastion von Männlichkeit” also durch den “Angriff” der Homosexualität “bedroht” wird, ist durch Verwendung dieser Phrase eine Männlichkeit durch Heterosexualität definiert. Homosexuelle wären demnach unmännlich…
Bei zoomer.de umgeht Autor Peer Göbel das Problem ganz simpel dadurch, dass er davon schreibt, dass Fußball “die letzte Bastion der reinen Heterosexualität zu sein [scheine]“. Ein Wörtchen geändert, und schon verliert die Aussage ihren schalen Beigeschmack.
- Und zum Schluss: Schwulsein ist wie…. wie… hm, welchen Vergleich könnte man da bringen…:
“Das ist keine Krankheit, das ist einfach eine Vorliebe, so wie manch einer eben ein Eis mit Nüssen haben will, ein anderer nicht.”
Wenn dieses Bonmot in den Kommentaren zum zoomer-Artikel absichtlich so gewählt wurde, Chapeau, aber auch sonst fühle ich mich gut amüsiert.
Bisher 2 Kommentare
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“Ich hab’ nix gegen Schwule, solange die mich nich’ anmachen”. Auch ‘n super Spruch, eingereiht in “Solange er auf dem Platz seinen Job gut macht, ist das doch ganz egal”. Und der Begriff “Tolerant” kommt da auch besonders gut. Toleranz bedeutet nichts anderes als: ich dulde das. Für’n Arsch, wer “Tolerant gegenüber Homos” ist, kann mich gleich am Arsch lecken.
Und ja, Schwuppen sind “unmännlich”, sie verkörpern geradezu die Feminisierung des Mannes, das weiß doch jeder. Oh Hilfe, irgendwann wird auch das Thema durch sein, aber so weit sind wir noch lange nicht. Halleluja, ficken is’ toll. Äh. Ich wünsch’ Dir ‘nen schönen Tag, mein Lieblings-Schreiber.
Sagen wir mal so: bei einigen Leuten wär ich ja schon froh, wenn die sich wenigstens zu einem “tolerant” durchringen könnten. Aber du hast recht, die Ablehnung hinter einer angeblichen Toleranz zu verstecken, das nervt.
Und ich muss zugeben, dass das ein echtes Minenfeld ist: Denn ich wollte in der Überschrift erst “…Randbemerkungen einer Hete” schreiben, um zu verdeutlichen, dass es nicht nur “die üblichen Verdächtigen” sind, denen sowas auffällt. Beim nochmaligen Lesen hörte sich das aber unweigerlich so an, als wenn ich hektisch darauf hinweisen wollte, “dass ICH aber nicht SO EINER bin”. Und da hab ich den Teil wieder rausgeschmissen.
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