Die Doors für die 90er, Mann!
Sonntag, 7. September 2008, 12:04 Uhr
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musik,
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Da The Verve ja grad ihren neuen Ohrwurm mit dem zugleich nervigsten und tollsten Sample garniert haben, das mir in den letzten Jahren in einem Popsong zu, naja, Ohren gekommen ist, muss ich wieder an meine erste Begegnung mit dem Werk von Ashcroft und Konsorten denken.
Wir schrieben das Jahr 1993, und auf MTV wurde, seinem Namen entsprechend, noch überwiegend Musik gespielt. Unter anderem gab es den Heiligen Alternative-Gral in Form der Sendung “120 Minutes” mit Paul King. Dort wurde irgendwann zwischen diversen wundervollen Shoegazer- und Grunge-Bands plötzlich die Single “of an exciting upcoming band called The Verve” gespielt, Gravity Grave.
Rumms, ich war erschlagen und die “Verve EP” am nächsten Tag meine (als man im Med*am*rkt noch eine große Indie-CD-Abteilung finden konnte; aber dazu ein anderes Mal).
Und dieses Kleinod mit 5 Songs ist bis heute eine meiner meistgehörten CDs der 90er. Wer brauchte noch Gras zu rauchen, wenn man sich stattdessen ins Gras legen und Gravity Grave oder auch Man Called Sun hören konnte?
Ba(h)r jeder Vernunft
An der Kasse meines Stamm-Baumarktes werde ich beim Bezahlen seit einiger Zeit nach meiner Postleitzahl gefragt.
Das machen natürliche alle möglichen Geschäfte seit einiger Zeit. Nur: es hat mir noch niemand, der dort arbeitet, sagen können, was konkret mit dieser Information gemacht wird und wo sie bleibt, falls ich sie erteile.
Spätestens bei den Stichworten Datenvorratsspeicherung, Datenklau und Datenvernetzung sollte in den letzten Jahren jeder hellhörig und skeptisch geworden sein.
Weshalb ich im kleinen Stil, neben anderen Maßnahmen, mittlerweile dazu übergegangen bin, diese Anfrage an keiner Kasse irgendeines Geschäftes mehr zu beantworten.
Als ich gerade heute wieder “Darf ich Ihre Postleitzahl erfahren?” zu hören bekam, hätte ich endlich mal die Chance ergreifen sollen, zu antworten: “Wenn Du datensammelwütiges Arschloch das noch einmal fragst, gibt’s hier Tote!”
Natürlich habe ich bisher immer lediglich mit einem bestimmten, aber höflichen “Nein” darauf geantwortet, aber der Punkt ist:
Der Gesichtsausdruck einer beliebigen Kassiererin sah bei diesem schlichten “Nein” nicht zum ersten Mal so aus, als hätte ich obiges von mir gegeben. Ich warte noch auf ein “Mein Gott, Entschuldigung, dass ich gefragt habe!” Was ironischerweise genau das wäre, was sie aufrichtig sagen sollte.
Weshalb sollte ich in der Rechtfertigungsposition sein, keine Auskunft zu erteilen? Weshalb hat es den Anschein, als wenn man etwas Unerhörtes tut, wenn man diese Daten nicht völlig selbstverständlich und offen preisgibt?
[EDIT: Ich hab eine kurze Mail an bahr.de geschrieben, und sie haben sogar geantwortet:
"Sehr geehrter Herr ...,
Gern beantworten wir Ihre Anfrage. Gerade aufgrund der aktuellen Diskussion in allen Medien über Datenmissbrauch könnnen wir Ihre Frage nur zu gut nachvollziehen.
Wir befragen im Rahmen einer Kundeneinzugsanalyse alle Kunden nach Ihrer Postleitzahl. Dies findet derzeit 2mal jährlich für je zwei Wochen (Februar und September) statt. Mit den Daten können wir auswerten aus welchen Postleitzahlgebieten unsere Kunden kommen. Dies benötigen wir um unsere Kunden zielgenau mit Angebotsprospekten zu versorgen. Wir verteilen Werbung nur in Postleitzahlgebieten aus denen ausreichend Kunden zu uns kommen. Damit können wir ökonmisch Werbung betreiben und schonen unsere Umwelt + Ressourcen. Wir drucken dann nur die benötigte Menge."
Immerhin haben sie flott und zumindest nachvollziehbar geantwortet, was schon mal was wert ist. Ob dieses Ziel der Nachfrage auch dann noch aktuell ist, wenn erstmal meine in der Kasse gespeicherten Einkäufe mit meinen EC-Karten-Daten abgeglichen werden (können), steht auf einem anderen Blatt.
Anders gesagt: Ich will denen zugestehen, dass sie in diesem Fall nichts Böses im Sinn haben, denn, ja, es handelt sich lediglich um meine Postleitzahl. Dennoch finde ich die Menge an Daten, die in kleinen Portionen de facto allüberall von uns gesammelt werden, erschreckend. Und besonders die Attitüde, diejenigen, die sie nicht preisgeben, seien die Sonderlinge. Und wenn diese ganz vielen kleinen und einzeln vielleicht sogar unwichtigen Daten erstmal verknüpft werden, wird's richtig übel. In diesem Sinne - wehret den Anfängen.
Denn bezeichnenderweise ist auf bahr.de die "Kontakt"-Seite so gestaltet, dass nicht nur die eigene E-Mail-Adresse, sondern die komplette eigene Hausadresse auszufüllende Pflichtfelder sind, wenn man eine Anfrage hat - die natürlich per Mail beantwortet wird. Erst im Impressum sieht man die E-Mail-Adresse "info@...", die man in seinem eigenen Mailprogramm verwenden kann.]