Du spürst das Gras…
…hier und da bewegt sich was, es macht dir Spaß, nein es ist nicht nur das…

Paradoxe des Alltags
Freitag, 23. Januar 2009, 20:59 Uhr
Abgelegt unter: hirnwindung

Schuhe sind geweitet, wenn sie eingelaufen sind.



Dear Mr President
Montag, 19. Januar 2009, 22:30 Uhr
Abgelegt unter: aufreger, nachruf, polemik, politik, us-wahl

Morgen wird in Washington der neue US-Präsident vereidigt. Was auch bedeutet, dass der alte nun endlich weg ist. Acht lange Jahre Mist bauen liegen hinter George W. Bush. Das Ausmaß an dem, was dieser Mann und seine Regierungsmannschaft an Vertrauen oder auch nur Respekt gegenüber den USA (und in den USA selbst) zertrampelt haben, ist nur wenigen seiner Vorgänger gelungen. …weiterlesen



Rezensentenrezession
Sonntag, 11. Januar 2009, 23:53 Uhr
Abgelegt unter: aufreger, film, fundstücke, polemik, popkultur

Dass viele Menschen in Deutschland synchronisierte Fassungen von fremdsprachigen Filmen bevorzugen, kann ich in bestimmten Fällen nachvollziehen, da mein Französisch nur zum Bestellen von Croissants und Milchkaffee langt, und meine Kenntnisse in Japanisch, Italienisch, Spanisch oder Chinesisch schlicht nicht vorhanden sind.
Dass viele allerdings auch gleich bei der ersten Fremdsprache Englisch kapitulieren, finde ich gelinde gesagt bedauerlich, aber selbst dafür kann es Gründe geben.

Nun haben wir da gelegentlich eine DVD, auf der sich eine restaurierte Fassung eines (englischsprachigen) Films befindet, mit Filmszenen, die vorher fehlten; diese Filmszenen können dementsprechend damals, als der Film zuerst rauskam, noch gar nicht synchronisiert worden sein. Da manche Synchronisationen locker über 50 Jahre alt sind, leben manche Inhaber der deutschen Stimmen auch schlicht nicht mehr und man kann sie nicht mehr ins Studio zerren. Deshalb sind die entsprechenden hinzugefügten Szenen im Film auf Englisch enthalten, wie denn auch sonst?
Und überhaupt: der Film ist jetzt näher an der Vollständigkeit, als damals zu sehen war – das ist was GUTES!

Wenn es dann Leute gibt, die so sehr den deutschsprachigen Ton erwarten, dass sie die DVD negativ bewerten, weil “der Ton immer sinnlos zwischen englisch und deutsch wechselt”[!!!!], dann fällt es mir echt schwer, angesichts so viel Dumpfheit nicht ausfallend zu werden.



Winterwütendland
Donnerstag, 8. Januar 2009, 17:56 Uhr
Abgelegt unter: aufreger, polemik, tv

Es ist grad verdammt kalt in Deutschland. Was wie eine Metapher klingt, ist jetzt mal ganz wörtlich gemeint. Temperaturen jenseits von -20 Grad hat man hier wirklich nicht alle Tage. Klar, dass das ein Thema in den Nachrichten ist. Die Kälte hat auch ungewöhnliche (und damit erwähnenswerte) Auswirkungen: Gasleitungen eingefroren, Teile des Binnenschiffsverkehr eingestellt, Löschschaum der Feuerwehr friert auf dem Boden fest. Ob damit nun ein ARD-Brennpunkt wie gestern Abend gerechtfertigt ist, erscheint mir dennoch fragwürdig; über dessen Informationsgehalt hat Stefan Niggemeier bei FAZ.net wieder sehr schön berichtet.

Was mich hingegen den Kopf schütteln lässt, ist der seltsame Umstand, dass die Reaktionen der Menschen so völlig unvorbereitet, ratlos, engstirnig und wütend ausfallen:

– Ein Bäcker, der auf Grund einer defekten Gasleitung keine Backwaren produzieren konnte, berichtet von “wütenden Kunden”, weil diese keine Brötchen bekommen hätten.
– Bei mehreren der zahllosen Unfälle auf irgendeiner Bundesstraße hieß es, dass da noch Leute mit Sommerreifen unterwegs waren.
– An der Tanke kaufen die Leute die Regale mit Entfroster leer, weil sie ausgerechnet im Januar offenbar keinen Entfroster zuhaus haben.
– Wie lang die Feuerwehr, der Streudienst, das THW oder sonstwer gebraucht hat, bis sie am Einsatzort waren, XY erledigt haben usw., ist ebenfalls etwas, das für Unmut sorgt.
– Und bei der Deutschen Bahn beschweren sich Kunden, weil die Beeinträchtigungen durch diese extreme Kälte dazu führen, dass nicht alle Züge pünktlich sind oder gar, oh Graus, ausfallen.

Den schwachen Gag, dass sie doch sonst auch nicht pünktlich wären, lasse ich mal beiseite und gucke mir an, was Sache ist:

In Deuschland ist es scheißkalt. Es fällt Schnee. Es gibt Glatteis. Es friert.
Leitungen, Scharniere, Heizungen, Ventile, Motoren, Weichen, alles mögliche kann ein-, zu- oder abfrieren. Straßen können unpassierbar werden. Flüsse können zufrieren. Pkw, Lkw, Züge, Feuerwehren oder Busse können vielleicht nicht anspringen oder bleiben irgendwo stecken. Und. So. Weiter.

Anders gesagt:
Wenn richtig Winter ist, ist das öffentliche Leben eingeschränkt.
Das ist so. Und das war auch schon immer so.

Die Tatsache, dass die Winter der letzten Jahre eher mild waren, heißt nicht, dass wir vergessen dürfen, dass wir in der gemäßigten Klimazone leben, in der es, verdammt noch mal, auch richtigen Winter gibt! Mit all den Auswirkungen, die wir grad erleben.

Und da gibt es Menschen, die sind schwer irritiert, überfordert, ratlos und verärgert, weil im tiefsten Winter in Deutschland nicht alles genauso reibungslos läuft wie an einem milden Frühlingstag?
Aber die werden sich wahrscheinlich an eben jenem Frühlingstag auch darüber beschweren, dass ein Orkantief ihnen die Blumenzwiebeln im Vorgarten in Unordnung bringt und lamentieren, dass die Polizei das nicht verhindert hat.