Du spürst das Gras…
…hier und da bewegt sich was, es macht dir Spaß, nein es ist nicht nur das…

Reaktion der Redaktion
Freitag, 8. Mai 2009, 14:09 Uhr
Abgelegt unter: medien,politik,stopptschäuble

Sieh mal an, so kann Online-Kommunikation im Jahr 2009 also funktionieren, und das “sogar” mit etablierten Redaktionen. Dieser Satz klingt zwar wahlweise kindlich-naiv oder wie eine Binsenweisheit, aber schon das Stöbern bei Stefan Niggemeier macht deutlich, wie störrisch sich viele Online-Redaktionen im Umgang mit Leserkommentaren im Allgemeinen und mit deren konkreten Hinweisen auf Fehler in Artikeln im Besonderen immer noch aufführen.

Deshalb ist es tatsächlich bemerkenswert, dass dieser Artikel im Tagesspiegel über die E-Petition gegen Internet-Sperren1 bereits zweimal unbürokratisch geändert wurde:

Die einleitende Formulierung klang sehr unglücklich:

„In nur vier Tagen haben sich auf der Website des Bundestags bereits über 50.000 Menschen gegen Ministerin von der Leyens Vorhaben ausgesprochen, Kinderporno-Seiten zu sperren.“

Jetzt klingt sie so:

“In nur vier Tagen haben sich auf der Website des Bundestags bereits über 50.000 Menschen gegen die Netzsperren ausgesprochen.”

Gleich ein ganz anderer Schnack. Der Hinweis kam auf Spreeblick, und nach dem Lesen des Artikels schrieb ich eine kurze Mail an die Tagesspiegel-Redaktion, da auch im dritten Absatz sich die Formulierung zu wiederholen schien:

“Die Initiatorin der Online-Petition macht sich keine Hoffnung, die geplante Sperre von Kinderpornografie im Netz aufhalten zu können.”

Ganze sieben Minuten später(!) kam eine freundliche Antwort-Mail, und der Satz wurde ebenfalls in dieser Zeitspanne geändert, in ein wesentlich schöneres und treffenderes:

“Die Initiatorin der Online-Petition macht sich keine Hoffnung, das Netzsperren-Konzept der Bundesregierung aufhalten zu können.”

Natürlich wird irgendwer fragen: “Hat der nix Besseres zu tun?”
Aber erstens: die Kommunikation als solches ist schnell und problemlos, also warum sie nicht nutzen, um auf dergleichen (in freundlichem Ton) hinzuweisen?
Und zweitens: es geht nicht um einen vergessenen Buchstaben oder Verb ohne Endung, sondern um eine Formulierung, die eine Tendenz wiedergibt, die nicht der E-Petition entspricht. Darauf sollte man aufmerksam machen.

Dass es dann wirklich so flott angenommen und auch noch treffend geändert wird, ist aber in der Tat eine nette (da nicht selbstverständliche) Sache.

  1. Die notwendigen 50.000 sind bereits erreicht, aber egal: Mitmachen! Je größer die Zahl, desto schöner! Ich hatte mich über das Thema ja schon ausgelassen.

Bisher 3 Kommentare
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Hallo Jan,

dankeschön für die nochmalige Antwortmail, da war ich allerdings schon im Feierabend. Ein Kollege hatte sie mir weitergeleitet.

Natürlich ist eine Kommunikation zwischen Leser und Redaktion bei uns immer sehr erwünscht. Dass wir in diesem Fall schnell reagiert haben, ist kein Goodwill, sondern eine Selbstverständlichkeit. Allerdings vergessen viele bei ihrer – an vielen Stellen berechtigten – Kritik an (Online-)Redaktionen, dass man viel zu häufig in Arbeit, Tempo und Multitasking versinkt und demnach oft nur dazu kommt, den Fehler zu ändern, nicht aber zur Kommunikation mit den Kritikern/Lesern. Was jedoch nichts daran ändert, dass das ein Zustand ist, den man schade finden muss.

Herzliche Grüße,
Nadine
Redaktion tagesspiegel.de

PS: Ich bin jetzt mal frech von förmlich zu persönlich gewechselt :)

Kommentar von Nadine Lantzsch am 09.05.2009 um 16:38

Hallo Nadine,

dass eine Änderung auch mal dauern kann oder es passiert, dass nicht die Zeit bleibt, um wirklich jede Mail zu beantworten, versteht sich für mich von selbst (ich hab mal in einer Werbeagentur gearbeitet, Hektik im Büro sagt mir was ;) ).

Da ich in meiner gelegentlichen Kommunikation mit verschiedenen (Online-)Redaktionen aber schon öfter erlebt habe, dass sich weder gemeldet noch eine fehlerhafte/fragwürdige Passage geändert wurde, freute ich mich einfach, dass das bei Euch so flott und konsequent klappte.

Speziell in diesem Fall der E-Petition ist die Nachfrage bei Redaktionen ja auch eine gute Art, “abzuklopfen”, wie die Redaktion einen bestimmten Artikel verstanden wissen will.
Denn die oft kolportierte Aussage, die Unterzeichner würden “gegen die Sperrung von Kinderpornografie” sein, ist ja leider weit verbreitet, wie man schon allein an Herrn zu Guttenberg feststellen konnte.

Und der persönliche Stil ist selbstverständlich in Ordnung! :) Nicht zuletzt ist das hier ein Blog.
Meine gute Kinderstube sagte mir nur, dass man eine Redaktion ganz ohne vorherigen Kontakt nicht einfach so duzt. :)

Kommentar von Jan am 10.05.2009 um 15:39

Guten Tag ! Vertraulichkeit in der Sprache ist eine gute Sache unter Menschen, welche durch direkte, offene Diskusion die Gedankengrundlagen ihres Gegenüber kennen. Solche vertrauliche Sprache … die einfach davon ausgeht … man verstände sich schon … in der Öffentlichkeit …
ist ein schwerer Fehler. Man kennt die Gedanken – welt seines Gegenüber nicht u. bestätigt viel- leicht etwas, das man eigentlich bekämpfen will.
Gewaltverherrlichung ist strafbar, China u. Birma zeigen, wie leicht Internet zu kontrolieren ist.
Im NDR wurde vor kurzem ein Panorama – Reporter berichten (o.s.ä) gesendet. Freigesprochene dürften allen auf der Nase herumtanzen, könnten nicht mehr belangt werden. Wilder’s “Zeugin der Anklage”. Richtig ist, niemand darf für eine Tat 2x bestraft werden.Wer so unbewußt auf die Öffent-
lichkeit einwirkt, soll sich nicht wundern,wenn er
bei einem schweren Unfall auf der Straße liegt, 30 Leute um ihn stehen u. sich keiner traut, die Feuerwehr zu rufen. ” Die muß man ja dann selbst bezahlen.” So läuft ein selbst schwer erkrankter
Bürger zum nächsten BVG – Bus u. bittet den Fahrer die Feuerwehr zu rufen. Wer in der Öffent-
lichkeit wirkt, hat nicht nur Macht, vorallem hat er Verantwortung. Eine alte Tagesspiegelleserin.
Auch Perverse lesen den Tagesspiegel … sicher.

Kommentar von koch, marion am 26.05.2009 um 10:43



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