
Werder kann also doch noch gewinnen, ha!!

Werder kann also doch noch gewinnen, ha!!
So mancher wird sich gestern abend gefragt haben, wer da Hamburgs Gravgaard so irritiert hat, dass er im UEFA-Pokal-Halbfinalspiel Werder gegen HSV den Ball ins eigene Toraus bugsierte. Es war niemand geringeres als:
Die Papierkugel Gottes!
Und: sie twittert!
…und feuerte den Trainer.
Kaum schreibt man mal nicht innerhalb von ein paar Tagen einen Folgeartikel zu Klinsmann vs. taz, schon überschlagen sich die Ereignisse.
Ich find’s ja gut, dass er den Prozess verloren hat, denn wie schon im vorigen Eintrag erwähnt, habe ich weder die Ungeheuerlichkeit noch die Entgleisung auf der taz-Titelseite verstanden. Tut ja doch mal ganz gut, wenn ein Gericht die eigene Sichtweise bestätigt.
Seltsamerweise tauchen in der gesamten Urteilsbegründung (via Jens Weinreich) weder die Stichworte “Leben des Brian” noch “Monty Python” auf. Hätte ich nicht ganz unwesentlich gefunden, ob Klinsmann mit Jesus oder Brian gleichgesetzt wird. Und wie Christian Kortmann in der SZ so schön schrieb: “Da fühlt sich jemand ‘massiv in seiner Menschenwürde verletzt’, weil er mit Jesus verglichen wird.”
Heute ist also Klinsmann tatsächlich beim FC Bayern entlassen worden. Tse, ich bin wahrlich kein Freund des FCB, und natürlich sagt einem jetzt jede ahnunghabende Nase, dass “das doch klar war”.
Aber es sei zumindest mal als theoretische Überlegung die Frage erlaubt, ob die wirkungsvollste Änderung bei den Bayern tatsächlich ein neuer Trainer sein kann, oder ob vielleicht doch eine andere Vereinsführung guttäte, bzw. ob deren Selbsteinschätzung und ihre arrogante Sicht des Vereins nicht doch mal einer kritischen Prüfung unterzogen werden sollte.
Es hat zwar noch keine Menschenaufläufe gegeben, bei denen öffentlich Ausgaben der taz verbrannt wurden, aber rhetorisch hatten die letzten Tage in Sachen Christentum mal wieder so einiges zu bieten.
Am Anfang war das Titelbild der taz vom vergangenen Samstag:

(Quelle: zeit.de)
Und dann war da der Mediendirektor des FC Bayern München, Markus Hörwick, der sich nicht zu blöd war, im Interview der Zeit mit Jürgen Klinsmann einzuwerfen: “Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir gegen die vielleicht schlimmste Entgleisung, die es je in den deutschen Medien gegeben hat, rechtlich vorgehen werden.”
Hierbei fallen mir zwei Dinge auf:
Erstens, wer das als die ultimativ schlimmste Entgleisung in den deutschen Medien empfindet, gleichzeitig beim Rumpelstilzchen-Rumpoltern aber offenbar ignoriert, dass verschiedene Persönlichkeiten des FCB äußerst häufig und gern mit den Boulevard-Medien1 zusammenarbeiten, ist ja schon mal der Heuchelei überführt.
Und zweitens (und diese Frage meine ich ganz ernst!): Wo ist die Entgleisung? Im wortwörtlichen Sinne verstehe ich die Aufregung nicht.
Klinsmann wurde 2006 als Nationaltrainer in den Himmel gejubelt, kam später als Heilsbringer zum FCB, und nun gleitet ihm nicht nur das Team aus den Händen, sondern auch der Rückhalt der allwissenden und unnahbaren Führungsetage schwindet allmählich. Genau das sollte laut Klaus Hillenbrand, Chef vom Dienst der taz, dargestellt werden.
Der Trainer ist immer am schnellsten schuldig zu sprechen, ganz egal, ob dies der Realität entspricht, und somit am leichtesten zu opfern, um zu suggerieren, dass es allen anderen durch dieses Opfer besser geht.
Da passt der Vergleich zu Jes… also: zu Brian doch ganz vorzüglich, dem erging es schließlich genauso.
(Pointen erklären ist natürlich ganz großer Mist, aber hilft ja nix, wenn ich darüber schreiben will, warum Herr Hörwick daneben liegt. Schon allein, weil ich sowas machen muss, ist mir der Herr unsympathisch. Herr Klinsmann, seit er diese Klage allen Ernstes durchzieht, allerdings ebenso.)
Und deshalb meine Ratlosigkeit, was denn da der unglaubliche Fehltritt sein soll. Dass die Person Jesu verunglimpft wurde? Nö. Dass das Titelbild am Ostersamstag rauskam? Och büdde. Oder dass jemand allen Ernstes die ganze Anspielung auf Brian nicht kapiert hat und tatsächlich der Ansicht ist, die taz würde befürworten, Klinsmann zu kreuzigen??!
Dass irgend jemand dergleichen ernsthaft denkt und sich deshalb aufregt, übersteigt meine Vorstellungskraft. Deshalb nochmal meine nicht nur rhetorische Frage:
Wo ist die Entgleisung, die nur mit Anwälten und sechsstelligen Summen gesühnt werden kann?
~~ USAerklärt weist darauf hin, dass die Interviews deutscher Politiker nachträglich autorisiert werden, während so etwas in der englischsprachigen Welt als ein Eingriff in die Arbeit des Journalisten angesehen wird:
Die verschiedene Vorgehensweise führt zu einem Unterschied in der Zahl der saudummen Bemerkungen von Politikern, die die Bevölkerung erreichen. Während amerikanische, australische, britische und kanadische Politiker scheinbar ständig their foot in their mouth haben, sind ihre deutschen Kollegen durch ein Netz und einen doppelten Boden vor den größten Fettnäpfchen geschützt. Entsprechend wirken sie – zumindest im Durchschnitt – rhetorisch geschickter.
~~ 11Freunde über ein doch recht bemerkenswertes Spiel meiner Lieblingsmannschaft am vergangenen Wochenende:
93. [Minute:] Schlusspfiff. Die Stürmer beider Mannschaften verabreden sich zum Après Ski, die Verteidiger gründen eine Selbsthilfegruppe. Ralf Rangnick eilt in die Kabine, um seinen ersten Roman zu verfassen: »Begrabt mein Herz an der Biegung der Weser«.
Thomas Schaaf, dessen linke Gesichthälfte seltsamerweise wesentlich faltiger ist als sein rechte, wird gefragt, ob er in Partystimmung geraten sei. Nach zehn Sekunden Bedenkzeit sagt er: »Nö.«
Aus Spaß am Spiel war das natürlich der Wahnsinn; als Fan der Heimmannschaft, die sich oben in der Tabelle positionieren will und nach 6 Spieltagen pro Spiel 2 Gegentreffer gekriegt hat, wird mir aber doch langsam mulmig.
~~ Manuel Andrack vermutet ein baldiges Ende von Schmidt & Pocher. Was ich sehr begrüßen würde, denn fortgeführte Leichenfledderei an einer ohnehin unterirdischen Sendung ist einfach geschmacklos.
Die Sache mit Christoph Daum scheint ja nun vom Tisch zu sein, aber durch einen aktuellen Artikel auf 11freunde.de (der übrigens auch beim Tagesspiegel mit leicht geänderter Überschrift zu lesen ist) und einen ähnlich gelagerten Artikel bei zoomer.de fielen mir wieder ein paar Dinge auf:
Während der TV-Übertragung des EM-Halbfinalspiels Deutschland-Türkei fehlten für mehrere Minuten Bild und Ton. Das ist schade, und je nachdem, wie sehr man mitgefiebert hat, kann einen das auch so manche Nerven gekostet haben.
Aber ist es nun ein “typisch deutsches” Phänomen oder ein Phänomen dieses Informationszeitalterjahrzehnts, dass ein Bildausfall bei einer Fernseh-Liveübertragung so ein dermaßenes mediales Rauschen auslösen kann?
Es ist von Regressforderungen an die Stromfirma die Rede, Béla Réthy muss immer wieder auf die “Wie war das für Sie?”-Frage antworten, einige fordern gar, dass das Spiel hätte unterbrochen werden müssen (und geben der Bürokratie die Schuld, dass das nicht passiert ist) und es entsteht der Eindruck, wir alle(!) hätten allein durch die fehlende Übertragung persönlichen Schaden genommen.
Eine TV-Übertragung kommt durch die Verwendung von Technik zustande. Technik kann Fehler auslösen. Technik kann durch Naturgewalten beeinträchtigt sein. Shit happens. Dass es ein Notfallprogramm geben sollte, ist klar, aber weshalb so ein Aufstand gemacht wird, weil mal sechs Minuten einer Live-TV-Übertragung nicht klappen, werde ich nie begreifen. Wie satt und arrogant muss man eigentlich geworden sein, dass man an die Unfehlbarkeit von Technik glaubt? Und das auch noch bei Blitzeinschlag?
Und zur Verteidigung Béla Réthys: Er hat nicht Jupp Derwall auf der Tribüne gesehen! Ganz egal, wie häufig dies in den Medien kolportiert wird, es wird dadurch nicht “wahrer”.
Ab Minute 2:05 sagt er wörtlich: “Hans-Peter Briegel [jetzt im Bild zu sehen] sehen wir hier auf der Tribüne, einer von 19 deutschen Trainern, die in der Türkei gearbeitet haben, war eher eine kurze Station, und Kalli Feldkamp [jetzt im Bild zu sehen], er, einer der populärsten natürlich, neben seiner Frau Helma [bezieht sich darauf, dass die beiden nebeneinandersitzen], neben Jupp Derwall und Christoph Daum, große Tradition, Michael Skibbe wird der 20. sein, der geht ja nach der EM zu Galatasaray.”
Wörtliche Rede aufgeschrieben sieht immer etwas holperig aus, aber allerspätestens im Zusammenhang mit den Bildern wird klar, dass er keineswegs einen auf “Ich sehe tote Menschen” gemacht hat, sondern sich auf die Reihe deutscher Trainer in der Türkei bezogen hat.
Es ist ja verständlich und auch in Ordnung, dass die unterschiedlichsten Produkte mit einer mehr oder weniger sinnvollen Verbindung zur Fußball-EM beworben werden. Von Flaggen, Bierkästen und Autos über Nutella-Gläser im Ball-Design bis zu Großbildfernsehern lässt sich daraus ja eine Menge machen.
Aber wenn ein Discounter seiner Fleischfachabteilung aufträgt, Schaschlikspieße in Schweinefilets zu stecken, die weder einen dekorativen Nutzen haben noch fürs Braten oder Grillen sinnvoll sind, bekommt der EM-Bezug doch etwas Verzweifeltes.
So, das war sie nun, die DSF-Reportage über Das große Tabu – Homosexualität & Fußball. Für den Stand der Dinge war sie gar nicht schlecht. Der Knackpunkt ist nur: es wurde deutlich, dass es eigentlich noch gar keinen Stand der Dinge gibt.
Um den größten Aufreger dieser Reportage gleich vorwegzunehmen: Die Abschrift von Christoph Daums umstrittenem Zitat ist (leider) nicht verfälscht oder verkürzt worden, er sagt tatsächlich wörtlich:
„Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegen treten, dass gerade die, die sich um diese Kinder kümmern, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen. Und ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen.“
Dazu muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass es sich ja nicht um ein ausführliches Interview mit Daum handelte , in dem es um Gott und die Welt ging, und seine Weiterleitung zum nächsten Thema ging schlicht daneben: er wurde für die Reportage zum Umgang mit Homosexualität im Fußball befragt.
Auch seine anschließende auf der Website des 1. FC Köln veröffentlichte Stellungnahme zu dieser Passage räumt überhaupt nicht mit dem auf, was ihm vorgeworfen wird:
„Grundsätzlich bin ich ein toleranter und liberaler Mensch. Ich habe keinerlei Berührungsängste zu homosexuellen Menschen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Einige, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben. Kinderschutz geht mir aber über alles. Kinder müssen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, ganz gleich ob von homo- oder heterosexuellen Menschen, geschützt werden. Deswegen arbeite ich auch aktiv bei der Organisation Power-Child e.V. mit.“
Power-Child e.V. ist ein Verein mit dem Anliegen, Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Und genau deshalb beginnt spätestens ab hier Daums Fahrlässigkeit in Vorsatz und Dummheit umzuschlagen: im besten Herman’schen Stil beharrt er auf seiner Sicht der Dinge und begreift nicht, dass seinen Aussagen ekelhafte Assoziationen zugrunde liegen.
In seiner Stellungnahme hatte er die Möglichkeit, Vergleiche geradezurücken bzw. auszuschließen. Stattdessen wiederholt er, dass trotz seiner selbsterklärten Toleranz Kinderschutz vorgehe. Auch mit Abstand bleibt also Homosexualität für ihn etwas, vor dem man Kinder (wie vor Pädophilie) dringend schützen müsse…
Laut 4 Buchstaben soll er nach dieser Erklärung sogar gesagt haben:
„Soll ich mich etwa für meine Gedanken zum Kinderschutz entschuldigen? Der Schutz der Kinder steht einfach über allem.“
Offenbar ist sein Hirn wirklich nicht in der Lage, seine eigenen Gedanken zu reflektieren. Der Mann versteht tatsächlich nicht, was ihm konkret vorgeworfen wird.
Zurück zur Reportage:
Dass es schwule Fußballspieler nicht nur im Amateur- und Freizeitbereich, sondern im bezahlten und bejubelten Profisport geben soll, dass Leute “ungeahnt” beim Torerfolg der eigenen Mannschaft einem Schwulen zujubeln könnten, ist für einige Fans schlicht unvorstellbar.
Peter Neururer sagt treffend: “Es ist eigentlich überhaupt kein Thema. Aber dadurch, dass es kein Thema ist, wird es doch ein Thema.”
Das wird im Verlauf des Films sehr deutlich: die Aussagen von Fans vor diversen Stadien der Republik schwanken zwischen “ekelig”, “mir egal” und “solang er Leistung aufm Platz bringt, macht das doch nichts”. Als des Teufels Advokat möchte man glatt nachfragen: Wenn er die Flanke nicht hinkriegt, wird seine sexuelle Orientierung oder sein ‘Lebensstil’ also doch wieder für seine Beurteilung wichtig?
Fast schon suspekt, weil sehr sympathisch, die Aussagen von Reiner Calmund und ausgerechnet Theo Zwanziger, die mehrfach kundtun, dass das ja auch alles nette Leute sind, mit denen man ein Bier trinken gehen kann (Calmund) und denen man volle Unterstützung beim Coming Out zusichert (Zwanziger). Es ist tatsächlich positiv bemerkenswert, dass letzterer gerade in seiner Eigenschaft als DFB-Präsident so überaus undiplomatische und wohlwollende Worte findet.
Neben diesen beiden souveränen Menschen besteht der Rest des Films im Wesentlichen aus Aussagen, die aus einem Merkblättchen “Schwule und Lesben für Einsteiger” stammen könnten – egal, ob man den toleranten Fans oder den toleranten Fußballern zuhört, immer fallen die gleichen Phrasen: “auch nur Menschen”, “trotzdem nett”, “wie du und ich”, “wenn sie gut spielen, macht das ja nichts”.
Natürlich kann man prinzipiell froh sein, wenn wenigstens diese Einstellung bei den Leuten zu finden ist. Aber es macht deutlich, auf welchem primitiven Anfangsniveau sich die Beschäftigung mit der Möglichkeit von Homosexualität im “reinen Hetensport” Profifußball überhaupt befindet. Da müssen Fans vor laufender Kamera sichtbar tapfer sein, um diese Möglichkeit tatsächlich in Betracht zu ziehen, kein Wunder, dass sie sich anhören wie 12-jährige, die “mal was von Schwulsein gehört” haben.
Dass die Reportage ein zu großes Fass aufmacht und gleich noch in drei Nebensätzen das “offene Geheimnis” lesbischer Spielerinnen in der Frauen-DFB-Auswahl erwähnt und außerdem noch eine Schiedsrichterin, die früher ein Mann war, ins Boot holt, sei ihr verziehen. Schließlich sind wir ja noch in der Phase, in der erstmal darauf hingewiesen werden darf und soll, dass es im Profifußball bestimmte Themen wie nicht-heterosexuelle Beteiligte überhaupt gibt. Außerdem ist der ganze Beitrag unreißerisch und kommt ohne große Klischeeansammlungen aus, was ihm bei RTL und Konsorten wohl nicht vergönnt gewesen wäre.
Und so hat diese Reportage es auf jeden Fall geschafft, aufzuzeigen, wie sehr die Diskussion, ja sogar das grundsätzliche “Zulassen” des Themas Homosexualität im Profifußball noch in den Anfängen steckt. Mal sehen, was noch kommt. Der DFB ist immerhin wesentlich weiter als Christoph Daum: der Verband beteiligt sich an der Finanzierung eines Umzugswagens für den diesjährigen CSD in Köln.
[EDIT, 4.8.2008: Am 31. Juli hat sich Christoph Daum immerhin mit Mitgliedern von Andersrum Rut-Wiess getroffen und offenbar die wesentlichen Missverständnisse und Ärgernisse aus dem Weg räumen können. Ob das nun bedeutet, dass er das alles wirklich überhaupt nicht so gemeint hat, oder ob es auch zeigt, dass eine von Daums Charaktereigenschaften diejenige ist, beim Reden in der Öffentlichkeit sein Gehirn immer wieder mal zu Hause zu lassen (ich sage nur: freiwillige Haarprobe zum Kokainnachweis), bleibt die Entscheidung der werten Leserschaft. Den deutlich gezeigten guten Willen möchte ich ihm aber durchaus zugute halten.]
Nach Tim Wieses asozialem Tritt in Kopfhöhe im Derby gegen den HSV am 7. Mai fällt genau das schwer zu sagen, was einem sonst so selbstverständlich über die Lippen geht: Ich bin Werder-Fan.
Im deutschen Fußballphrasen-Repertoire hat sich nicht Wunder von der Isar, Elbe oder Spree etabliert, sondern eben das von der Weser. Werder war in Sachen Vereinsführung und Trainerpersonalie schon lange der Gegenentwurf zu anderen, sagen wir mal, südlicher gelegenen Vereinen: manchmal vielleicht etwas arg norddeutsch-kühl, aber eben auch kühlen Kopf bewahrend, um auf sympathische Weise unspektakulär einen guten Job im Weserstadion zu machen, der einen offensiven und oft schön anzuschauenden Fußball zur Folge hatte.
Tim Wieses Foul an sich war schon eklig genug, denn wie kann sich sein Fuß beim Sprung voran(!) überhaupt in der Höhe von Olics Kopf befinden, ohne dass er damit absichtlich oder billigend die Gefährdung seines Gegenspielers in Kauf nimmt?
Es geht aber noch schlimmer. Da ist der Mann sich nicht zu blöde, hinterher zu sagen “Ich treff den Ball und er rennt in mich rein.” Trainer Thomas Schaaf schweigt, und Manager Klaus Allofs lässt sich bei seiner Art der Situationsbeschreibung nicht durch lästige Intelligenz beeinflussen: “Ich bleibe dabei, es war keine Absicht.“
Wieviel Dummheit muss sich eigentlich mit Arroganz paaren, um dergleichen Schwachsinn von sich zu geben und das als Analyse dieses Fouls stehenzulassen?
Ein dermaßen unsportliches, engstirniges, realitätsfremdes, rufschädigendes, asoziales und erbärmliches Verhalten hat der Verein Werder Bremen seit langem weder durch einen Spieler noch durch die Führungsetage erlebt. Solch bockiges Verkennen von Tatsachen, mit denen ein Spieler Einsicht verweigert und das Trainer-Manager-Gespann einen Spieler deckt, kann einem (nicht nur als Fan) wirklich die Galle hochkommen lassen. Von einem Uli Hoeneß mag man ja rumpolternde Sprüche gewöhnt sein, aber diese Art von unglaublicher Arroganz sollten sich alle Beteiligten beim SVW aber ganz schnell wieder abgewöhnen…!
Auch wenn natürlich viele dies so sehen, war es mir doch wichtig, diese Sicht gerade als Bremer noch einmal deutlich zu machen.
Bezeichnenderweise ist Tim Wieses Gästebuch vorübergehend geschlossen…
Es ist zur Zeit wirklich nicht leicht, grün zu sein.