Du spürst das Gras…
…hier und da bewegt sich was, es macht dir Spaß, nein es ist nicht nur das…

Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur
Mittwoch, 28. Oktober 2009, 18:45 Uhr
Abgelegt unter: film,hirnwindung,medien,polemik,politik,popkultur

So lautet der Untertitel von Douglas Couplands Buch “Generation X”. Das im Jahr 1991 erschienen ist. Herrje, vor gut 18 Jahren also. Zu der Zeit stieg die beschriebene Beschleunigung noch so gemächlich an, dass Handys nicht verbreitet waren und nicht annähernd die bescheidenen Außenmaße hatten, wie wir sie jetzt kennen. Das Internet war zwar da, wurde aber nicht von einer breiten Masse verwendet, und die Übertragung größerer Datenmengen, wie sie für Musik oder gar Videos benötigt wurden, waren im wahrsten Sinne des Wortes Zukunftsmusik.

Was war das spannend und schön, diese ganze technische Revolution und die damit verbundene kulturelle/soziologische Veränderung bewusst mitzuerleben, besonders, wenn man noch die Zeit “vor dem Internet” kennt.

Noch in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts gab es kein Youtube, und user generated content wurde zu einem überwiegenden Teil durch html-Kenntnisse ermöglicht.

Ich bin jetzt Ende 30 und kenne in groben Zügen HTML und CSS, ich habe eine Website betrieben, ich schreibe in einem Blog, lese meine RSS-Feeds von anderen Blogs und lese mehr Online-Inhalte als Tageszeitunge. Bezogen auf den Teil meiner Freunde, die nicht jünger sondern in meinem Alter sind: Gegenüber denen bin ich, ich muss es so sagen, in Sachen Internet-Affinität voraus. So seltsam sich das auch für mich selbst sowie für jeden unter 30 anhören muss.

Ich liebe das alles, die Vernetzung, die Möglichkeiten, den Zugriff auf so unglaublich viel Musik, Film, Information, Meinungsaustausch. Mein DSL- ist mir wichtiger als mein Telefon-Anschluss.

Trotzdem erwische ich mich dabei, wie ich denke, dass Couplands Untertitel erst heutzutage so richtig greift. Denn ich werde den Eindruck nicht los, dass die Informationsmöglichkeiten meinen Kenntnisstand etwas schizophren werden lassen:

Auf der einen Seite kann ich mich genauer als je zuvor über alle z.B. politischen Vorgänge informieren, mein Hintergrundwissen hat subjektiv mit der Hilfe des Internets tatsächlich zugenommen. Einfach, weil man mal eben (und dieses nebenbei-hafte ist dabei sehr wichtig) Stichworte wie “Überhangmandat” nachschauen kann. Und eben auch so etwas wie “CDU-Spendenaffäre”, das man im Brockhaus (ein Lexikon, die deutlich Älteren werden sich erinnern) garantiert nicht finden konnte.

Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass ich immer weniger einen Überblick über die tagesaktuellen politischen Geschehnisse habe. Woher kommt es, dass ich den Eindruck habe, früher “besser” darüber informiert gewesen zu sein, wer sich wo wie geäußert hat oder wer welches Gesetz durchdrücken will?

Dauerten Skandale (Bestechung, üble Nachrede, Nazi-Vergleiche, ungeschickte Äußerungen, Gesetzesänderungs-Vorschläge, Umweltverschmutzung durch Konzerne, was auch immer) früher wirklich länger oder mahlten die Medien-Mühlen einfach langsamer, weil sie ausschließlich von Presse und TV geprägt waren?

Weshalb kann ich mich immer noch an politische Fehltritte der 80er und 90er erinnern, musste aber bei Rob Savelbergs wunderschöner Frage an Frau Merkel tatsächlich kurz überlegen, wie das mit dem Schäuble und der Spendenaffäre  noch war? Und nicht nur die Skandälchen: wann war nochmal die Tsunami-Welle, wann genau wurde Hartz IV eingeführt, wann bekam Kofi Annan seinen Nachfolger…

Es geht nicht um die einzelne Information – von der einzelnen Information kann man sagen, sie sei unwichtig und man könne auch ohne sie gut leben. Es geht mir um den Überbau: ich habe den Eindruck, als wenn ich in diesem Jahrzehnt immer weniger einen Überblick über das Geschehen in der Welt, in Europa oder einfach in Deutschland habe.

Und dieses Phänomen breitet sich auf jeden anderen Aspekt meines Lebens aus: ich bestelle fast beliebig CDs aus den USA, die mir über Neuseeland unterhalb des deutschen Ladenpreises geliefert werden, und ich habe mit Youtube, last.fm und myspace mehr Zugriff auf solche Massen von Musikstilen und Bands, als ich jemals hören kann. Ich könnte deshalb Anhänger eines einzigen Musikstils sein, und würde doch nicht mehr hinterherkommen.

Das, was VHS nicht leisten konnte, ist Wirklichkeit geworden: dass ich auf alle möglichen (okay, stimmt nicht, aber auf verdammt viele!) Klassiker oder skurrilen Nischenprodukte der Filmgeschichte Zugriff habe. Bis man auf VHS auf so etwas wie eine Originalfassung eines simplen Bogart-Films herankam, waren viel Geld und viel Geduld nötig, oder aber man resignierte lieber gleich. Das ist im Jahrzehnt der DVD dankenswerterweise anders.

Nur: Filme haben inzwischen eine Halbwertzeit von vier Wochen, bevor sie in den kleinsten Saal des Multiplexes rutschen, und drei Monate später kommen DVD und Blu-Ray sowieso raus. Okay, manchmal sind’s auch fünf Monate.

Das hat zur Folge, dass sich in immer mehr Bereichen meines Lebens eine Atemlosigkeit breitmacht: Filme sind aus dem Kino verschwunden, bevor ich sie registriert habe, Musik wird immer schneller der Schnee von gestern und ich überlege, wie ich Internet-Portale überhaupt noch überfliegen kann, ohne nicht zwei Stunden für reine Informationsaufnahme zu veranschlagen.

Und damit habe ich popkulturelle Phänomene wie das Kennen des neuesten Youtube-Hypes noch nicht mal erwähnt.

Es ist wunderschön, dass es all diese Möglichkeiten gibt, aber es wird zu viel. Das Grundrauschen, zwischen dem ich zu orten versuche, was wichtig, interessant und schön für mich ist, wird mir allmählich zu laut.

In jedem politischen oder auch popkulturellen Bereich wird jede Sau, ob nun positiv oder negativ, immer schneller durchs Medien-Dorf getrieben, und dementsprechend muss auch immer schneller eine neue Sau gefunden werden. Mittlerweile rennen so viele Säue gleichzeitig durchs Dorf, dass man schon von Schweinpanik sprechen könnte.

Oder webzweinullig gesagt: Ich glaube, ich leide unter “Did You Know 1 Stress Disorder”[tm].

Die Lösung, sich aus all dem zurückzuziehen, gefällt mir jedoch nicht. Denn es handelt sich ja um Aspekte meines Lebens, die ich schätze. Sie werden nur immer schwerer in ihrer Komplexität greifbar.

  1. Ich weiß, dass es eine aktuellere Version des Videos gibt (was für eine Ironie bei diesem Thema), aber die 3.0-Version ist erstens immer noch sehenswert und zweitens passt sie besser zu diesem Eintrag.


Der Wolf heult etwas leiser, aber mehr auch nicht
Freitag, 23. Oktober 2009, 14:15 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,polemik

Die gute Nachricht vorweg: die Abmahnungen an die betroffenen Nutzer von dawanda.de werden eingestellt.
Drüben beim Werbeblogger ist eine neue Pressemitteilung von Jack Wolfskin erschienen, laut der die Angelegenheit seitens JW mit der Herunternahme der beanstandeten Objekte von der dawanda-Plattform erledigt sei und keine weiteren rechtlichen Schritte unternommen würden. Das lässt einen im ersten Moment aufatmen und man kann die direkt Betroffenen beglückwünschen. Dass die Sache zumindest für die Anbieter auf dawanda finanziell und rechtlich ausgestanden ist, das ist schon mal was Gutes.

Aber dann fängt man an, weiter über das Gesagte nachzudenken:
Denn die beanstandeten Objekte müssen weiterhin entfernt bleiben, und nur auf Grund der heftigen Kritik wird auf die Abmahnungen verzichtet… Einsicht in ein Fehlverhalten abseits der finanziellen Einschüchterung ist damit nicht zu erkennen, denn die hier vermittelte Einstellung ist nichts anderes als:

“Wir sind immer noch der Überzeugung, dass da ein eindeutiger Markenrechtsverstoß vorliegt, weshalb das Kissen mit der Katzenpfote da weg muss und auch wegbleiben muss. Da uns viele Kunden aber die Meinung gegeigt haben, verzichten wir zähneknirschend auf das uns für diesen Verstoß eigentlich zustehende Geld, damit unsere PR nicht noch schlechter wird.”

Man wolle “sein Vorgehen in Fällen von kleingewerblichen Angeboten verändern. Hier wird das Unternehmen in Zukunft zunächst auf anwaltliche Schritte verzichten und selbst Kontakt aufnehmen.”

JW sieht keineswegs, dass die kleinkarierte Durchsetzung ihres Markenschutzes als solches angesichts einer Katzenpfote(!!!), gelinde gesagt: überdenkenswert wäre. Sie teilen lediglich mit, dass man künftig nicht gleich abmahnen wolle.
Nicht einmal eine lapidare Entschuldigung bei den Betroffenen ist im Text zu finden. Und wer die Anwaltskosten der Abgemahnten vielleicht begleichen könnte (hint, hint!), wird ebenfalls nicht erwähnt…

Eine wirkliche Erkenntnis, dass man Markenschutz als solchen übertreiben kann und sich deshalb künftig diesbezüglich zurückhält, müsste sich deutlich anders anhören.

Update 14.45 h: Hier der direkte Link zum PDF von der JW-Website.

Update 17:15 h: Natürlich reißen die Kommentare beim Werbeblogger nicht ab, aber auch bei Spreeblick wird darüber diskutiert.



Abmahnwache
Dienstag, 20. Oktober 2009, 00:36 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,polemik

Seltsam, Herr von G. ist hinter Gittern, Zwanziger vs. Weinreich sollte auch noch bekannt sein, die Firma Jako hat letztendlich zähneknirschend eingesehen, man habe gegenüber “Trainer Baade” “ganz offensichtlich überreagiert”…

…und jetzt geht Jack Wolfskin den gleichen Weg und beharrt sogar in einer offiziellen Stellungnahme darauf, dass es eine gute Idee ist, Privatpersonen und Kleinstunternehmer auf dawanda.com abzumahnen, die auf selbstentworfenen Kissen, Etuis und ähnlichen Artikeln Tierpfoten abbilden…

Weitere Hintergründe hier, die Stellungnahme hier, die ersten Mainstream-Artikel zum Thema hier und hier.

“Abmahn-Wahn” sollte ein fester und schwer zu bestrafender Tatbestand in der deutschen Rechtssprechung werden.



Ich spieße, also bin ich – oder: Die Umhängetasche als Wurzel allen Übels
Montag, 22. Juni 2009, 20:11 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,literatur,polemik,popkultur

In einem Gebrauchsgegenstand kann soziologischer Sprengstoff stecken. Denn jeder, der eine Umhängetasche trägt und vielleicht schon Mitte 30 ist, ist nicht erwachsen. Sagt zumindest Martin Reichert in Wenn ich mal groß bin. Das Lebensabschnittsbuch für die Generation Umhängetasche (Fischer Verlag, 2008).

Es ist kein Sachbuch, denn dazu ist es zu unsachlich. Als Polemik geht es wohl noch durch.

In diesem Buch setzt Reichert voraus. Und zwar ständig.
Die Leserschaft, die von ihm, total erwachsen, gesiezt wird, sitze ja vor einem MacBook, das ja die Eltern oder Großeltern der Leserschaft spendiert hätten.
Die Leserschaft verstehe sich ja in langzeitadoleszenter Manier auf dem Job immer besser mit den Praktikanten als mit den Arbeitskollegen.
Sie würde bestimmte Klamotten tragen (Kapuzenshirts! Converse!).
Sie würde immer noch Pop-Musik hören. Mit einem iPod.
Sie würde keine vernünftigen Möbel besitzen, sondern immer wie “auf dem Sprung” eingerichtet sein.

Wer es noch nicht begriffen haben sollte: all diese Dinge sind daneben und ziemen sich selbstverständlich nicht mehr, wenn man laut Reichert (Jahrgang 1973) wirklich erwachsen ist.

Auch im Job, wo “man” sich ja als Freelancer durchschlägt, hat “man” Angst vor den ehrgeizigen, jüngeren Emporkömmlingen und ist besonders deshalb in der Karriere noch nicht vorangekommen, weil “man” sich eben in berufsjugendlicher Art nicht genug bemüht hat. (Ist so ein Blick auf den aktuellen Arbeitsmarkt jetzt altbacken, naiv oder zynisch?)

Dass jemand überdenken sollte, ob er für die wieder in Mode gekommenen Röhren-Jeans noch die passende Figur hat, ist ein Allgemeinplatz Reicherts, der weder für eine Generation noch für einen selbstständig denkenden Menschen überhaupt einen Mehrwert hat. Deswegen genügt ihm diese Aussage auch nicht, sondern er muss noch einen draufsetzen:

Es kann Sie ja niemand zwingen – aber ist Ihr jetziger Kleidungsstil wirklich das Nonplusultra für den Rest Ihres Lebens? Soll das immer so weitergehen?

Ein erwachsener Mensch ist “ordentlich” gekleidet [Ach was?!].

Außerdem müsse man doch endlich einsehen, dass man nicht mehr so viel Alkohol verträgt, und so oft Party machen ginge ja nun auch nicht mehr. Und man soll sich gefälligst eine(n) feste(n) Sexualpartner(in) suchen. Des Weiteren schaue man zuviel infantile Comedy, erwachsener Humor hingegen sei so etwas wie Dittsche.

Außerdem soll, bahnbrechender Tipp, keine Poser-Karre, sondern ein sparsames und vernünftiges Auto gefahren werden, von dessen Rücksitz aber der Schlafsack des Roskilde-Festivals 2002 endlich entsorgt werden soll(?).
Und nicht immer alles fotografieren, sondern es auch wirklich selbst erleben.

Der eine oder andere Satz in diesem Buch ist nicht grunsätzlich verkehrt. Auch das eine oder andere Detail ist würdig, darüber nachzudenken. Aber selbst diese wenigen ansprechenden Punkte sind wieder als herablassender Ratschlag formuliert und werden vom Autor manisch in die Kategorien “unerwachsen/schelcht” und “erwachsen/gut” einsortiert.

Das gesamte Buch hindurch nimmt Martin Reichert an, was seine Leserschaft macht, wie seine Leserschaft denkt, wie sie aussieht, wie sie sich benimmt und was sie will oder nicht will.
Und dann beschreibt er, dass Erwachsene anders sind als seine Leserschaft. Er sagt also, dass Erwachsensein anders ist als das, was er von seinen Lesern annimmt(!)…

Permanent legt er den Lesern Worte in den Mund oder Verhaltensweisen nahe, um dann mit erhobenem Zeigefinger den nervenden Großonkel auf einer Familienfeier zu spielen, der einen schon immer mit “Wenn du erst mal verheiratet bist”-Sprüchen genervt hat.

Wer eigentlich gleich diese ganze “Generation” sein soll, gegen die Reichert sich richtet, wird im gesamten Buch nicht klar, spätestens ab Seite 10 fragt man sich: “Welche seltsamen Exemplare unserer Gesellschaft hat dieser Mann getroffen und weshalb meint er darin eine ganze Generation zu erkennen?”

Vielleicht soll so manche Formulierung sogar ironisch und nicht so ernst gemeint sein, damit verstieße der Autor aber gegen seine eigenen Grundsätze, denn als Erwachsener hat man die Dauerironie ja hinter sich gelassen. Und 235 Seiten kann man nicht mit Ironie oder “lockerem Ton” rechtfertigen.
Und so bleibt nur der Schluss, dass er sein vor Arroganz triefendes Dozieren tatsächlich ernst meint.

Weshalb die Frage bleibt, was genau Reichert da eigentlich so vehement verurteilt und was er so dringend als erwachsenes (sprich: “richtiges”) Verhalten verteidigen möchte.

Denn: ist es besonders erwachsen, sich über eine Unmenge von Gegenständen, Ansichten, Verhaltens- und Lebensweisen in panischer Manier Gedanken zu machen, ob diese auch wirklich absolut zu einem “erwachsenen” Erscheinungsbild passen?

Wenn ich mal groß bin ist ein widerliches, nervtötendes Buch, dessen Autor mit erhobenem Zeigefinger und in herablassendem Ton seine eigene ekelerregende unfassbare Spießigkeit als fortschrittliche Änderung der Lebensweise einer ganzen Generation verkaufen will. Einer Generation, die so alt ist wie er, die er aber ablehnt. Weil er ja jetzt erwachsen ist.

Ein Geisterfahrer? Tausende!



Chleudert die Payern zu Poden!
Dienstag, 14. April 2009, 22:58 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,fußball,medien,polemik,religion

Es hat zwar noch keine Menschenaufläufe gegeben, bei denen öffentlich Ausgaben der taz verbrannt wurden, aber rhetorisch hatten die letzten Tage in Sachen Christentum mal wieder so einiges zu bieten.

Am Anfang war das Titelbild der taz vom vergangenen Samstag:


(Quelle: zeit.de)

Und dann war da der Mediendirektor des FC Bayern München, Markus Hörwick, der sich nicht zu blöd war, im Interview der Zeit mit Jürgen Klinsmann einzuwerfen: “Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir gegen die vielleicht schlimmste Entgleisung, die es je in den deutschen Medien gegeben hat, rechtlich vorgehen werden.”

Hierbei fallen mir zwei Dinge auf:
Erstens, wer das als die ultimativ schlimmste Entgleisung in den deutschen Medien empfindet, gleichzeitig beim Rumpelstilzchen-Rumpoltern aber offenbar ignoriert, dass verschiedene Persönlichkeiten des FCB äußerst häufig und gern mit den Boulevard-Medien1 zusammenarbeiten, ist ja schon mal der Heuchelei überführt.

Und zweitens (und diese Frage meine ich ganz ernst!): Wo ist die Entgleisung? Im wortwörtlichen Sinne verstehe ich die Aufregung nicht.

Klinsmann wurde 2006 als Nationaltrainer in den Himmel gejubelt, kam später als Heilsbringer zum FCB, und nun gleitet ihm nicht nur das Team aus den Händen, sondern auch der Rückhalt der allwissenden und unnahbaren Führungsetage schwindet allmählich. Genau das sollte laut Klaus Hillenbrand, Chef vom Dienst der taz, dargestellt werden.

Der Trainer ist immer am schnellsten schuldig zu sprechen, ganz egal, ob dies der Realität entspricht, und somit am leichtesten zu opfern, um zu suggerieren, dass es allen anderen durch dieses Opfer besser geht.
Da passt der Vergleich zu Jes… also: zu Brian doch ganz vorzüglich, dem erging es schließlich genauso.
(Pointen erklären ist natürlich ganz großer Mist, aber hilft ja nix, wenn ich darüber schreiben will, warum Herr Hörwick daneben liegt. Schon allein, weil ich sowas machen muss, ist mir der Herr unsympathisch. Herr Klinsmann, seit er diese Klage allen Ernstes durchzieht, allerdings ebenso.)

Und deshalb meine Ratlosigkeit, was denn da der unglaubliche Fehltritt sein soll. Dass die Person Jesu verunglimpft wurde? Nö. Dass das Titelbild am Ostersamstag rauskam? Och büdde. Oder dass jemand allen Ernstes die ganze Anspielung auf Brian nicht kapiert hat und tatsächlich der Ansicht ist, die taz würde befürworten, Klinsmann zu kreuzigen??!

Dass irgend jemand dergleichen ernsthaft denkt und sich deshalb aufregt, übersteigt meine Vorstellungskraft. Deshalb nochmal meine nicht nur rhetorische Frage:

Wo ist die Entgleisung, die nur mit Anwälten und sechsstelligen Summen gesühnt werden kann?

  1. Deren laufende Entgleisungen um einiges übler sind, was ich hier aber nicht breittrete, sondern der Einfachheit halber auf bildblog.de verweise.


Tuet Buße, denn das Ende ist nah!
Dienstag, 24. März 2009, 17:53 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,polemik,popkultur,realsatire

Sie werden uns überrollen, sie werden uns vernichten, ein Virus, oder mindestens sowas wie die Körperfresser! Jedenfalls was Ekelhaftes!

Wir schreiben das Jahr 2009, und seit ungezählten Monden wird jedes Mädchen unter 18 Jahren von einer finsteren Macht dahingehend manipuliert, wie ein Klon von Gülcan Kamps, Johanna Klum, Collien Fernandes oder ein Mitglied von Monrose auszusehen. Und wen das Grauen jetzt noch nicht gepackt hat, dem sei gesagt, dass das ultimativ Böse seinen Opfern nicht nur das Aussehen, sondern auch den entsprechenden IQ verpasst.

Sie unterwandern die ganze Gesellschaft, sie sind überall, rettet Euch und Eure Kinder, solange Ihr noch könnt…! Raaaaah!



Pretty in pink
Sonntag, 8. März 2009, 14:39 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,gender studies,polemik,politik

Als mir vor zwei Jahren eine 22-jährige Praktikantin erklärte, dass sie und ihre Mama sich am 8. März immer gegenseitig in pink verpackte Geschenke machten und mich fragte, wo denn von mir als Mann an jenem Tag die Blumen und die Pralinen für die weiblichen Mitarbeiter meiner Arbeitsstelle seien – da wusste ich wieder, weshalb der Weltfrauentag weiterhin auch “in unseren Breiten”* eine notwendige Einrichtung ist.

* Was ihm hier ja gerne mal abgesprochen wird.



Schöne Web 2.0-Welt (2)
Mittwoch, 25. Februar 2009, 14:05 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,polemik

Ein Podcast.
Einstieg mit zwei Minuten unkoordinierter Wortspiele mit “Podcast”, ohne Timing, mit der Witzigkeit eines 13-jährigen, der den Umgang mit Ironie gerade erst erlernt. Dann:
“Ja, also… willkommen zu unserem Podcast mit XX und….. …. ja, nun sag doch…”
“Ey nee Mann, Alder, ich will das Intro so gar nicht…”
(10 Sekunden Schweigen)
“Ja , nee also, wir fangen dann halt mal an…”
“Ja wie jetzt, du hörst ja auch sowas wie Tomte und Kettcar und so, ne?”
“Nee, die sind doch auch schon wieder out…. find ich… und Bon Jovi machen ja auch so Gitarrenmusik…”
(20 Sekunden Pause)
“In der Wikipedia steht, dass Madsen sich so anhören sollen wie Tomte…”
“Ja, nee, interessiert mich ja… jetzt… auch nicht so richtig… weil… so, also ich hoffe, du verstehst da meine Intention, Alder, weisse?”
“Inten-ZI-OHN, könnte man auch sagen.”
[...]
“Naja, aber ironische Brechung ist ja auch wichtig. ”
“Öhöhöhö. Nicht, dass wir da… also, ja. Naja, wie gesagt, ich weiß ja nicht, ob das jetzt, also, und, nech, weißte?”
(20 Sekunden Schweigen)
“Ey, ich glaub, wir langweilen unsere Zuhörer.”


Das Schöne am Web 2.0 ist, dass jeder Mensch mitmachen kann.

Das Lästige am Web 2.0 ist, dass es jeder tut.



Dear Mr President
Montag, 19. Januar 2009, 22:30 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,nachruf,polemik,politik,us-wahl

Morgen wird in Washington der neue US-Präsident vereidigt. Was auch bedeutet, dass der alte nun endlich weg ist. Acht lange Jahre Mist bauen liegen hinter George W. Bush. Das Ausmaß an dem, was dieser Mann und seine Regierungsmannschaft an Vertrauen oder auch nur Respekt gegenüber den USA (und in den USA selbst) zertrampelt haben, ist nur wenigen seiner Vorgänger gelungen.

Deshalb muss ich mir jetzt einfach mal, treffend aber unsachlich, Luft machen:
Geoerge W. Bush, Dick Cheney, Donald Rumsfeld und Colin Powell sind absolute beeeeeep beeeeep, die man beeeeeeep beeeeeep sollte, dann ihnen die beeeeeep durch die beeeeeeeep beeeeeeeeeep, dannn mit einem beeeeeeep die beeeeeeeep beeeeeeeeeep, bis sie winselnd nur noch beeeeeeeeeep können, um ihnen schließlich noch eine Ladung beeeeeeeeep in die beeeeeeeeep zu jagen. Dieser beeeep beeeeeeeeep wäre früher gnadenlos gebeeeeeeeeeeeept worden, und zwar bis zum bitteren Ende.

So, jetzt geht’s mir besser.

Der neue Präsident Obama darf kommen. Er wird Fehler machen, er wird fragwürdige Dinge sagen oder tun. Und es besteht auch die Möglichkeit, dass er kein doller US-Präsident wird.

Aber ich kann mir auch unter größter Anstrengung nicht ausmalen, dass er nur halbwegs das Ausmaß an Inkompetenz, Arroganz, Ignoranz, Dummheit, Stumpfheit, Primitivität, Realitätsferne, Religionswahn und asozialem Arschlochsein seines Vorgängers erreichen wird.



Rezensentenrezession
Sonntag, 11. Januar 2009, 23:53 Uhr
Abgelegt unter: aufreger,film,fundstücke,polemik,popkultur

Dass viele Menschen in Deutschland synchronisierte Fassungen von fremdsprachigen Filmen bevorzugen, kann ich in bestimmten Fällen nachvollziehen, da mein Französisch nur zum Bestellen von Croissants und Milchkaffee langt, und meine Kenntnisse in Japanisch, Italienisch, Spanisch oder Chinesisch schlicht nicht vorhanden sind.
Dass viele allerdings auch gleich bei der ersten Fremdsprache Englisch kapitulieren, finde ich gelinde gesagt bedauerlich, aber selbst dafür kann es Gründe geben.

Nun haben wir da gelegentlich eine DVD, auf der sich eine restaurierte Fassung eines (englischsprachigen) Films befindet, mit Filmszenen, die vorher fehlten; diese Filmszenen können dementsprechend damals, als der Film zuerst rauskam, noch gar nicht synchronisiert worden sein. Da manche Synchronisationen locker über 50 Jahre alt sind, leben manche Inhaber der deutschen Stimmen auch schlicht nicht mehr und man kann sie nicht mehr ins Studio zerren. Deshalb sind die entsprechenden hinzugefügten Szenen im Film auf Englisch enthalten, wie denn auch sonst?
Und überhaupt: der Film ist jetzt näher an der Vollständigkeit, als damals zu sehen war – das ist was GUTES!

Wenn es dann Leute gibt, die so sehr den deutschsprachigen Ton erwarten, dass sie die DVD negativ bewerten, weil “der Ton immer sinnlos zwischen englisch und deutsch wechselt”[!!!!], dann fällt es mir echt schwer, angesichts so viel Dumpfheit nicht ausfallend zu werden.