So lautet der Untertitel von Douglas Couplands Buch “Generation X”. Das im Jahr 1991 erschienen ist. Herrje, vor gut 18 Jahren also. Zu der Zeit stieg die beschriebene Beschleunigung noch so gemächlich an, dass Handys nicht verbreitet waren und nicht annähernd die bescheidenen Außenmaße hatten, wie wir sie jetzt kennen. Das Internet war zwar da, wurde aber nicht von einer breiten Masse verwendet, und die Übertragung größerer Datenmengen, wie sie für Musik oder gar Videos benötigt wurden, waren im wahrsten Sinne des Wortes Zukunftsmusik.
Was war das spannend und schön, diese ganze technische Revolution und die damit verbundene kulturelle/soziologische Veränderung bewusst mitzuerleben, besonders, wenn man noch die Zeit “vor dem Internet” kennt.
Noch in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts gab es kein Youtube, und user generated content wurde zu einem überwiegenden Teil durch html-Kenntnisse ermöglicht.
Ich bin jetzt Ende 30 und kenne in groben Zügen HTML und CSS, ich habe eine Website betrieben, ich schreibe in einem Blog, lese meine RSS-Feeds von anderen Blogs und lese mehr Online-Inhalte als Tageszeitunge. Bezogen auf den Teil meiner Freunde, die nicht jünger sondern in meinem Alter sind: Gegenüber denen bin ich, ich muss es so sagen, in Sachen Internet-Affinität voraus. So seltsam sich das auch für mich selbst sowie für jeden unter 30 anhören muss.
Ich liebe das alles, die Vernetzung, die Möglichkeiten, den Zugriff auf so unglaublich viel Musik, Film, Information, Meinungsaustausch. Mein DSL- ist mir wichtiger als mein Telefon-Anschluss.
Trotzdem erwische ich mich dabei, wie ich denke, dass Couplands Untertitel erst heutzutage so richtig greift. Denn ich werde den Eindruck nicht los, dass die Informationsmöglichkeiten meinen Kenntnisstand etwas schizophren werden lassen:
Auf der einen Seite kann ich mich genauer als je zuvor über alle z.B. politischen Vorgänge informieren, mein Hintergrundwissen hat subjektiv mit der Hilfe des Internets tatsächlich zugenommen. Einfach, weil man mal eben (und dieses nebenbei-hafte ist dabei sehr wichtig) Stichworte wie “Überhangmandat” nachschauen kann. Und eben auch so etwas wie “CDU-Spendenaffäre”, das man im Brockhaus (ein Lexikon, die deutlich Älteren werden sich erinnern) garantiert nicht finden konnte.
Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass ich immer weniger einen Überblick über die tagesaktuellen politischen Geschehnisse habe. Woher kommt es, dass ich den Eindruck habe, früher “besser” darüber informiert gewesen zu sein, wer sich wo wie geäußert hat oder wer welches Gesetz durchdrücken will?
Dauerten Skandale (Bestechung, üble Nachrede, Nazi-Vergleiche, ungeschickte Äußerungen, Gesetzesänderungs-Vorschläge, Umweltverschmutzung durch Konzerne, was auch immer) früher wirklich länger oder mahlten die Medien-Mühlen einfach langsamer, weil sie ausschließlich von Presse und TV geprägt waren?
Weshalb kann ich mich immer noch an politische Fehltritte der 80er und 90er erinnern, musste aber bei Rob Savelbergs wunderschöner Frage an Frau Merkel tatsächlich kurz überlegen, wie das mit dem Schäuble und der Spendenaffäre noch war? Und nicht nur die Skandälchen: wann war nochmal die Tsunami-Welle, wann genau wurde Hartz IV eingeführt, wann bekam Kofi Annan seinen Nachfolger…
Es geht nicht um die einzelne Information – von der einzelnen Information kann man sagen, sie sei unwichtig und man könne auch ohne sie gut leben. Es geht mir um den Überbau: ich habe den Eindruck, als wenn ich in diesem Jahrzehnt immer weniger einen Überblick über das Geschehen in der Welt, in Europa oder einfach in Deutschland habe.
Und dieses Phänomen breitet sich auf jeden anderen Aspekt meines Lebens aus: ich bestelle fast beliebig CDs aus den USA, die mir über Neuseeland unterhalb des deutschen Ladenpreises geliefert werden, und ich habe mit Youtube, last.fm und myspace mehr Zugriff auf solche Massen von Musikstilen und Bands, als ich jemals hören kann. Ich könnte deshalb Anhänger eines einzigen Musikstils sein, und würde doch nicht mehr hinterherkommen.
Das, was VHS nicht leisten konnte, ist Wirklichkeit geworden: dass ich auf alle möglichen (okay, stimmt nicht, aber auf verdammt viele!) Klassiker oder skurrilen Nischenprodukte der Filmgeschichte Zugriff habe. Bis man auf VHS auf so etwas wie eine Originalfassung eines simplen Bogart-Films herankam, waren viel Geld und viel Geduld nötig, oder aber man resignierte lieber gleich. Das ist im Jahrzehnt der DVD dankenswerterweise anders.
Nur: Filme haben inzwischen eine Halbwertzeit von vier Wochen, bevor sie in den kleinsten Saal des Multiplexes rutschen, und drei Monate später kommen DVD und Blu-Ray sowieso raus. Okay, manchmal sind’s auch fünf Monate.
Das hat zur Folge, dass sich in immer mehr Bereichen meines Lebens eine Atemlosigkeit breitmacht: Filme sind aus dem Kino verschwunden, bevor ich sie registriert habe, Musik wird immer schneller der Schnee von gestern und ich überlege, wie ich Internet-Portale überhaupt noch überfliegen kann, ohne nicht zwei Stunden für reine Informationsaufnahme zu veranschlagen.
Und damit habe ich popkulturelle Phänomene wie das Kennen des neuesten Youtube-Hypes noch nicht mal erwähnt.
Es ist wunderschön, dass es all diese Möglichkeiten gibt, aber es wird zu viel. Das Grundrauschen, zwischen dem ich zu orten versuche, was wichtig, interessant und schön für mich ist, wird mir allmählich zu laut.
In jedem politischen oder auch popkulturellen Bereich wird jede Sau, ob nun positiv oder negativ, immer schneller durchs Medien-Dorf getrieben, und dementsprechend muss auch immer schneller eine neue Sau gefunden werden. Mittlerweile rennen so viele Säue gleichzeitig durchs Dorf, dass man schon von Schweinpanik sprechen könnte.
Oder webzweinullig gesagt: Ich glaube, ich leide unter “Did You Know1 Stress Disorder”[tm].
Die Lösung, sich aus all dem zurückzuziehen, gefällt mir jedoch nicht. Denn es handelt sich ja um Aspekte meines Lebens, die ich schätze. Sie werden nur immer schwerer in ihrer Komplexität greifbar.
Ich weiß, dass es eine aktuellere Version des Videos gibt (was für eine Ironie bei diesem Thema), aber die 3.0-Version ist erstens immer noch sehenswert und zweitens passt sie besser zu diesem Eintrag. ↩
Sieh mal an, so kann Online-Kommunikation im Jahr 2009 also funktionieren, und das “sogar” mit etablierten Redaktionen. Dieser Satz klingt zwar wahlweise kindlich-naiv oder wie eine Binsenweisheit, aber schon das Stöbern bei Stefan Niggemeier macht deutlich, wie störrisch sich viele Online-Redaktionen im Umgang mit Leserkommentaren im Allgemeinen und mit deren konkreten Hinweisen auf Fehler in Artikeln im Besonderen immer noch aufführen.
Deshalb ist es tatsächlich bemerkenswert, dass dieser Artikel im Tagesspiegel über die E-Petition gegen Internet-Sperren1 bereits zweimal unbürokratisch geändert wurde:
Die einleitende Formulierung klang sehr unglücklich:
„In nur vier Tagen haben sich auf der Website des Bundestags bereits über 50.000 Menschen gegen Ministerin von der Leyens Vorhaben ausgesprochen, Kinderporno-Seiten zu sperren.“
Jetzt klingt sie so:
“In nur vier Tagen haben sich auf der Website des Bundestags bereits über 50.000 Menschen gegen die Netzsperren ausgesprochen.”
Gleich ein ganz anderer Schnack. Der Hinweis kam auf Spreeblick, und nach dem Lesen des Artikels schrieb ich eine kurze Mail an die Tagesspiegel-Redaktion, da auch im dritten Absatz sich die Formulierung zu wiederholen schien:
“Die Initiatorin der Online-Petition macht sich keine Hoffnung, die geplante Sperre von Kinderpornografie im Netz aufhalten zu können.”
Ganze sieben Minuten später(!) kam eine freundliche Antwort-Mail, und der Satz wurde ebenfalls in dieser Zeitspanne geändert, in ein wesentlich schöneres und treffenderes:
“Die Initiatorin der Online-Petition macht sich keine Hoffnung, das Netzsperren-Konzept der Bundesregierung aufhalten zu können.”
Natürlich wird irgendwer fragen: “Hat der nix Besseres zu tun?”
Aber erstens: die Kommunikation als solches ist schnell und problemlos, also warum sie nicht nutzen, um auf dergleichen (in freundlichem Ton) hinzuweisen?
Und zweitens: es geht nicht um einen vergessenen Buchstaben oder Verb ohne Endung, sondern um eine Formulierung, die eine Tendenz wiedergibt, die nicht der E-Petition entspricht. Darauf sollte man aufmerksam machen.
Dass es dann wirklich so flott angenommen und auch noch treffend geändert wird, ist aber in der Tat eine nette (da nicht selbstverständliche) Sache.
Die notwendigen 50.000 sind bereits erreicht, aber egal: Mitmachen! Je größer die Zahl, desto schöner! Ich hatte mich über das Thema ja schon ausgelassen. ↩
Frau von der Leyen will total viel gegen Kinderpornographie tun und hat sich da auch schon ganz viele Sachen ausgedacht.
Ich glaube ihr sogar, dass ihr das ein ernstes und wichtiges Anliegen ist. Ich bin sogar sicher, dass sie vollkommen überzeugt ist, dass das, was sie tut, aktive Schritte zur Bekämpfung der Verbreitung von Kinderpronographie im Internet sind.
Nur leider hat sie von den technischen Gegebenheiten keinerlei Ahnung, und sie tritt bestehendes Recht mit Füßen. Sie scheint zu glauben, dass man, wenn man “Anstand” verkörpert, automatisch das Richtige tut, womit sie mit der Überschrift gebenden Helen Lovejoy etwas gemeinsam hat.
Also Moment, nochmal gaaaanz deutlich: Nicht die Hinderung des Zugriffs auf Kinderpornographie ist hier das Böse! Sondern die Hinderung eines Zugriffs.
Frau vdL lässt sich ja nicht einmal von Bedenken der Justizministerin im geringsten von ihrem “Ziel”(!) abbringen, in diesem eklig-schmutzigen Internet mit Zugangssperren und Blockaden gegen negative Inhalte jetzt mal so richtig sauberzumachen…
Was nur folgende Schlüsse zulässt:
Ihre Wahrnehmung der technischen Realität ist erschreckend weltfremd:
Man kann Websites auch dann erreichen, wenn sie in einem bestimmten Land “gesperrt” sind.
Webseiten sperren, aber Tauschbörsen, ICQ etc geschehen lassen, ist gerade bei illegalen Inhalten so, als wenn man eine Fahrradbremse am ICE zieht.
Ihre Ideen wirken aus den o.g. technischen Gründen entweder wie ein unglaublich naiv-ahnungsloser Aktionismus oder wie ein Stimmenfang für die Bundestagswahl im Herbst.
Es handelt sich um eine Zugangssperre für bestimmte Inhalte, und eben nicht um die Schaffung von aktualisierten rechtlichen Grundlagen, die eine verstärkte strafrechtliche Verfolgung der Anbieter strafbarer Inhalte ermöglichen! Um das überstrapazierte Z-Wort nicht zu verwenden: Dadurch werden einer staatlichen Lenkung oder Unterdrückung unliebsamer Inhalte im Internet Tür und Tor geöffnet.
Johnny Haeusler hat drüben beim Spreeblick Frau vdL zum konstruktiven Gespräch gebeten, was ich sehr begrüße, auch wenn ich durch ihr bisheriges Auftreten fürchte, dass sie sich als recht lernresistent erweisen dürfte.
Als mir vor zwei Jahren eine 22-jährige Praktikantin erklärte, dass sie und ihre Mama sich am 8. März immer gegenseitig in pink verpackte Geschenke machten und mich fragte, wo denn von mir als Mann an jenem Tag die Blumen und die Pralinen für die weiblichen Mitarbeiter meiner Arbeitsstelle seien – da wusste ich wieder, weshalb der Weltfrauentag weiterhin auch “in unseren Breiten”* eine notwendige Einrichtung ist.
Morgen wird in Washington der neue US-Präsident vereidigt. Was auch bedeutet, dass der alte nun endlich weg ist. Acht lange Jahre Mist bauen liegen hinter George W. Bush. Das Ausmaß an dem, was dieser Mann und seine Regierungsmannschaft an Vertrauen oder auch nur Respekt gegenüber den USA (und in den USA selbst) zertrampelt haben, ist nur wenigen seiner Vorgänger gelungen.
Deshalb muss ich mir jetzt einfach mal, treffend aber unsachlich, Luft machen:
Geoerge W. Bush, Dick Cheney, Donald Rumsfeld und Colin Powell sind absolute beeeeeep beeeeep, die man beeeeeeep beeeeeep sollte, dann ihnen die beeeeeep durch die beeeeeeeep beeeeeeeeeep, dannn mit einem beeeeeeep die beeeeeeeep beeeeeeeeeep, bis sie winselnd nur noch beeeeeeeeeep können, um ihnen schließlich noch eine Ladung beeeeeeeeep in die beeeeeeeeep zu jagen. Dieser beeeep beeeeeeeeep wäre früher gnadenlos gebeeeeeeeeeeeept worden, und zwar bis zum bitteren Ende.
So, jetzt geht’s mir besser.
Der neue Präsident Obama darf kommen. Er wird Fehler machen, er wird fragwürdige Dinge sagen oder tun. Und es besteht auch die Möglichkeit, dass er kein doller US-Präsident wird.
Aber ich kann mir auch unter größter Anstrengung nicht ausmalen, dass er nur halbwegs das Ausmaß an Inkompetenz, Arroganz, Ignoranz, Dummheit, Stumpfheit, Primitivität, Realitätsferne, Religionswahn und asozialem Arschlochsein seines Vorgängers erreichen wird.
Mittwoch, 5. November 2008, 00:12 Uhr
Abgelegt unter: politik, tv, us-wahl
00:05: Willkommen in meiner bescheidenen Bloghütte zu einem Live-Blog anlässlich der US-Wahl 2008, an dem ich mich jetzt einfach mal heute Nacht versuchen werde. Die Gelegenheit zu haben, sich die Nacht dafür um die Ohren schlagen zu können, muss ja für irgendwas gut sein.
00:08: Ich habe bereits einen polternd-nuschelnden Gerd Ruge und eine überforderte Sandra Maischberger in der ARD ertragen müssen (eben meine ich sogar kurz Wolfgang Fierek erkannt zu haben), im ZDF versucht sich Johannes B. Kerner an dem, was er nachhakende Fragen nennt. Im Moment sehe ich mich beim Durchhalten der Nacht eher am Niveau der ÖRs scheitern als an der Uhrzeit.
Wenigstens wurde der Kerner von Gayle Tufts niedergeplappert, recht so.
00:36: Vorhin hat die ARD die Dramatik der Wahl mit dem Pirates of the Carribean-Soundtrack untermalt. Ich stelle mir John McCain in der Rolle des Geoffrey Rush (Barbossa) vor…
00:45: Jörg Schönenborn hat tatsächlich grad den Oral Office-Gag in Bezug auf die Lewinsky-Affäre gebracht…
00:47: Gerd Ruge hört sich an wie eine betrunkene Mischung aus Gerhard Löwenthal und Erich Honecker, grausig!
00:59: Herrje, das too close to call ist aus dem Jahr 2000 noch traumatisch in Erinnerung. Bitte so wählen, dass es nicht so oft und nicht entscheidend heute nacht auftaucht, vielen Dank.
01:06: Erschreckend und bezeichnend: auf ARD, ZDF, RTL, Sat1, n-tv, Phoenix und N24 reden sie über die US-Wahl. Und meinem Empfinden nach sagt ausgerechnet der Live-Stream von cnn.com (und ich hab sonst keine große Meinung von cnn) zur Zeit am wenigsten Schwachsinn und ist am besten anschaubar…
01:12: Okay, prompt gibt’s auch bei cnn den ersten missglückten Vergleich: Robert Traynham sagt über den 72-jährigen John McCain, dessen Gesundheitszustand schon häufiger diskutiert wurde: “I see it this way: John McCain is on life-support right now. He needs a miracle to recover, but some people have done that, too.”
01:38: Auf cnn.com ist grad John Norris im Interview, der Markus Kavka von MTV USA, um zu berichten, dass Massen von jungen Leuten bei dieser Wahl wählen gehen.
Meine Güte, John Norris war schon Außenreporter bei den MTV Music Awards, als MTV in Deutschland noch das Programm von MTV UK gesendet hat. Ray Cokes, Steve Blame, Paul King… ich fühl mich grad alt.
02:13: Technisches Versagen. Also bei mir. Den einen Player kann ich nicht anmelden, der andere hat das “echte” cnn nicht im Angebot… ich bleib jetzt beim cnn.com-Stream, so!
02:20: Alle möglichen Staaten werden für den einen oder anderen “prognostiziert”, bei 3, 1 oder gar 0% ausgezählter Stimmen. Hm.
02:36: cnn.com sagt Obama : McCain 81:34.
02:38: ZDF: Kurze Reportage über Joe Biden bei der Debatte der Kandidaten (natürlich auch auf Youtube zu sehen). Host: An editorial in the Los Angles times said, “In addition to his uncontrolled verbosity, Biden is a gaffe machine [Ausrutscher-Maschine"].” Can you reassure voters in this country that you would have the discipline you would need on the world stage, Senator?
Biden: Yes. (Pause)
Host: Thank you, Senator Biden.
02:45: ARD: Wieder Piraten-Musik. Und was bitte, bitte, soll Monika Lierhaus da??
03:04: CNN.comsagt: Obama : McCain: 174:49.
03:22: cnn.com: Live from the McCain campaign headquarters: Weshalb wundert es mich nicht, dass grad ein Countryblues-Sänger mit Sonnenbrille und Cowboyhut auftritt?
03:31: Der Countryblues-Sänger nölt noch immer.
03:38: Die ARD vergibt New Mexico an Obama. Das ist von der Anzahl der Wahlmänner-Stimmen nicht weiter wesentlich (5 Stück), nur sind laut cnn.com dort noch 0% der Stimmen ausgezählt…
03:47: ARD: Wolfgang Fierek spricht. Das Wort “Warum” könnte das redundanteste dieses Eintrags werden.
03:52: cnn.com färbt auf seiner Karte New Mexico blau, obwohl McCain bei 4% ausgezählten Stimmen mit 62% führt. Gut, da wird sich noch was tun. Wenn es das nicht wäre, würd’s peinlich werden.
04:23: In Virginia führt Obama mit 30.000 Stimmen, in North Carolina mit 8.500. Das psychologisch so wichtige Ohio scheint tatsächlich auch von den Republikanern zu wechseln und an ihn zu gehen.
04:41: Virginia ist wohl durch, North Carolina geht aber wohl doch an McCain. Im cnn-Livestream herrscht Grabesstille auf der John McCain-Headquarters-Party. Langweilige Live-Musik, für die es kaum Applaus gibt, und Scharen von Menschen, die sich auf den Weg nach draußen machen.
04:51: So, jetzt stimmt bei cnn die Farbe für New Mexico auch mit den Stimmen für Obama überein.
05:00: Die ersten Sender vermelden, dass Obama mit hoher Wahrscheinlichkeit Präsident ist.
05:11: Die ARD ist doof: ich erschreck mich, dass Obama schon zu seiner Siegesrede aufs Podium steigt, bis ich merke, dass sie grad eine Zusammenfassung zeigen und das sein Auftritt im Stadion von Chicago vor den 70.000 Leuten ist.
05:19: John McCain tritt aufs Podium und gesteht seine Niederlage ein. Ich muss wirklich sagen, er ist ein sehr fairen Verlierer. Und sehr viel fairer als seine Anhänger.
05:33: Obama hat bis jetzt bereits New Mexico, Colorado, Florida, Virginia, Ohio und Iowa als Staaten, in denen zuvor die Republikaner dominiert hatten, gewonnen.
05:38: Mit den zu erwartenden Gewinnen in Kalifornien etc steht der Zähler jetzt bei 338 : 155 für Obama. Es ist beruhigend, dass die äußerst knappen Rennen in Missouri, Indiana und North Carolina dadurch zu Randnotizen werden können. Kein Florida-Desaster zu erwarten.
05:59: Barack Obama tritt vor die jubelnde Menge in Chicago. (48 Stunden früher, und seine Großmutter hätte das wenigstens noch miterleben dürfen.) Er wirkt zwar glücklich, aber auch sehr beherrscht. Und das Seltsame ist: wieder macht er das, was er kann, nämlich Reden halten – im Sinne von: ausschließlich darauf scheint er sich zu konzentrieren. Auch er ist sehr freundlich zu John McCain, auch wenn ihm das natürlich leichter fällt.
06:14: Obama bedankt sich. Er findet wohlwollende Worte. Pathoserfüllte Worte. Es gibt viel zu tun, packen wir’s an. Auf in eine bessere Zukunft. Erzählt eine kleine Geschichte eines Individuums als Parabel für die große Moral von der Geschicht. Das passt alles, das ist alles schön. Und es hört sich gut an. Aber es ist mir zu vorbereitet, zu sachlich engagiert.
Ich warte und hoffe auf ein aus-dem-Bauch-heraus “Jeez, folks, thank you for makin’ this possible, this is the greatest night of my life!”
06:15: Yes, we can! ist das neue I have a dream! Zumindest, wenn man dem rhetoriischen Kniff seiner Rede glauben kann.
06:18: Die Familien von Obama und Biden stehen auf der Bühne, und zum ersten Mal scheinen sie sich zu entspannen. Die bombastische Musik ist zwar kitschig und erinnert doch sehr an Chariots of Fire, aber nun gut, zu geschichtemachenden Momenten passt einfach kein Minimalismus.
06:21: Nevada ist der siebte Staat, den Obama gewinnt, der zuvor republikanisch dominiert war.
Dass die Deutsche Nationalbibliothek deutsch(sprachig)e Publikationen aus dem Printbereich sammelt, ist ein hehres Anliegen, schließlich ist der Printbereich dadurch gekennzeichnet, dass er nicht allen jederzeit zugänglich ist. Deshalb ist die Prämisse des Sammelns, Archivierens und zur Verfügung stellen dort sinnvoll.
Als ich vor mehr als einem Jahrzehnt das Internet für mich entdeckte, herrschten dort, also hier, noch etwas andere, “unsicherere” Zustände. Juristische Grauzonen, was das Kopieren und Veröffentlichen von Texten und anderen Inhalten anging, viele Websites, die auf Geocities oder ähnlich vertrauenerweckenden Hosts zugänglich waren. Deshalb speicherte ich mir damals durchaus die eine oder andere Webseite ab, man konnte ja nicht wissen, ob es die einen Monat später noch gab.
Aber das ist 10-11 Jahre her! Mittlerweile sind handfeste, werbefreie Domains für wenig Geld zu haben und auch sichere kostenlose Webhosts verfügbar, man denke nur an die zahlreichen Bloghosts. Es gibt also keinen Grund mehr, seine Festplatte mit Webpages zuzumüllen. Man kommt ja immer an die gewünschten Inhalte heran. Und falls sie an einer Stelle weg sind, gibt es Alternativen, Mirrors oder auf einer anderen Website wird dieselbe Datei zur Verfügung gestellt.
Nur: die Deutsche Nationalbibliothek will nun laut einer neuen Verordnung allen Ernstes das “deutsche” Internet archivieren. Alle Websites, die über rein private oder rein geschäftliche Inhalte hinausgehen, sollen, verkürzt gesagt, von den jeweiligen Betreibern gezippt und der DNB zugesandt werden.
Damit die DNB ein Archiv hat, von dem, was im Internet verfügbar ist. Um es zu sammeln und zu katalogisieren… Und es bleibt eigentlich nur eine Frage übrig:
Warum werden die Websites gesammelt, wenn der Raum, in dem sie ohnehin bereits komplett gesammelt und durchsuchbar sind, jedem Menschen mit PC und Internetanschluss zur Verfügung steht -
Okay, vor einigen Wochen hatte ich die Idee, eine Linksammlung anzulegen mit bemerkenswerten Video-Ausschnitten und Textzitaten, die Sarah Palin charakterisierten oder auf den Arm nahmen.
Ich habe das dann sein lassen, denn mit so einer Sturmflut an Material kam ich nicht zurecht. Wie hätte ich den Unmengen an Original-Interview-Schnipseln, Saturday Night Live-Sketchen, Youtube-Parodien, ätzenden Editorials und der Flut von Daily Show-Ausschnitten je Herr werden können?
Aber John Cleese zu Wort kommen lassen, ist ohnehin eine gute Idee und sein kurzes Statement dazu angenehm treffend:
Politiker schreiben ihre Reden (meistens) nicht selbst. Und Pointen setzen gehört erst recht nicht zu ihren Aufgaben. Wenn also beim ehrwürdigen und doch lockeren Charity-Ereignis Alfred-E.-Smith-Dinner John McCain und Barack Obama sich selbst und ihren politischen Gegner gekonnt auf die Schippe nehmen, tun sie das nicht als eine Eigenleistung, sondern durch ihre Gagschreiber.
Unabhängig davon muss ich überrascht feststellen: die Reden sind wirklich witzig. Und ja, von beiden Kandidaten. Trotz aller Aufgesetztheit und Etikette des Anlasses, trotz einer kurzen Schleimspur zum politischen Gegner, trotz der möglichen “Das gehört sich so, aber sie selbst denken was ganz anderes”-Gedanken ist es wirklich entspannend, die Kandidaten mal auf diese Weise miteinander umgehen zu sehen.